Auch ohne deutsches Ja: Polen will Leopard-Kampfpanzer an Ukraine liefern

Polens Ministerpräsident kündigt an, notfalls auch ohne Zustimmung Deutschlands Leopard-Panzer in die Ukraine zu schicken.

Die Ukraine drängt auf die Lieferung von Leopard-Panzern.
Die Ukraine drängt auf die Lieferung von Leopard-Panzern.dpa/Michael Kappeler

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat angekündigt, notfalls auch ohne Deutschlands Zustimmung Leopard-Kampfpanzer in die Ukraine zu schicken. „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie die Ukraine ausblutet. Die Ukraine und Europa werden diesen Krieg gewinnen – mit oder ohne Deutschland“, sagte Morawiecki am Sonntag der polnischen Nachrichtenagentur PAP.

Gebe es keine deutsche Zustimmung zur Lieferung der Leoparden, würde Polen eine „‚kleinere Koalition‘ von Ländern aufbauen, die bereit sind, einige ihrer modernen Panzer einer kämpfenden Ukraine zu spenden“, schrieb Morawiecki auf Twitter.

Die Haltung Deutschlands in der Frage der Lieferung von Leopard-Panzern an die Ukraine sei „inakzeptabel“, sagte Morawiecki in dem PAP-Interview. Durch den russischen Angriffskrieg „sterben jeden Tag unschuldige Menschen“, so Morawiecki. „Die russischen Bomben richten Verwüstungen in den ukrainischen Städten an. Zivile Objekte werden angegriffen, Frauen und Kinder werden getötet.“

Polen hatte bereits vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe am Freitag im rheinland-pfälzischen Ramstein erklärt, dass es Leopard-Panzer aus eigenen Beständen an die Ukraine abgeben wolle. Da die Panzer jedoch aus deutscher Produktion stammen, müsste die Bundesregierung dafür ihre Zustimmung erteilen.

Podoljak: „Jeder Tag der Verzögerung bedeutet den Tod für Ukrainer“

Bei dem Treffen von Unterstützerstaaten der Ukraine fiel dann keine Entscheidung über die Lieferung der Leopard-Panzer – was auch von der ukrainischen Regierung scharf kritisiert wurde. Die „globale Unentschlossenheit“ in dieser Frage „tötet mehr unserer Leute“, schrieb der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak am Samstag im Onlinedienst Twitter. „Jeder Tag der Verzögerung bedeutet den Tod für Ukrainer.“

Der neue Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kündigte bei den Beratungen in Ramstein lediglich an, er habe eine Prüfung der Bestände von Leopard-Panzern für eine eventuelle Lieferung an die Ukraine in Auftrag gegeben. Es solle eine Liste darüber erstellt werden, welche und wie viele Leopard-Panzer überhaupt für eine mögliche Lieferung an Kiew infrage kämen.

Bericht: Seit Sommer Liste mit verfügbaren Leopard-Modellen

Der Spiegel berichtete jedoch am Samstag, im Verteidigungsministerium gebe es bereits seit dem Frühsommer 2022 eine detaillierte Liste mit verschiedenen Leopard-Modellen, die bei der Truppe verfügbar sind und für eine Lieferung an die Ukraine infrage kämen. Die Tabelle sei als Verschlusssache eingestuft und liege dem Spiegel vor, hieß es.

Demnach verfügt die Bundeswehr insgesamt über 312 verschiedene Leopard-2-Panzer verschiedener Baureihen. Davon seien im Mai vergangenen Jahres allerdings 99 für Instandsetzungs- und Reparaturarbeiten bei der Rüstungsindustrie gewesen und einer bereits in der Aussonderung.