Aufgedeckt: „Schatten-Diplomaten“ weltweit in Verbrechen involviert

Waffen, Drogen, Sexualstraftaten und sogar Mord: Einer internationalen Recherche zufolge sind Hunderte Honorarkonsuln in Kriminalfälle und Skandale verwickelt.

Die Fahne der EU weht dem Reichstagsgebäude in Berlin: Hinter den Kulissen der globalen Diplomatie sollen Honorarkonsuln ihre Privilegien für kriminelle Geschäfte genutzt haben. 
Die Fahne der EU weht dem Reichstagsgebäude in Berlin: Hinter den Kulissen der globalen Diplomatie sollen Honorarkonsuln ihre Privilegien für kriminelle Geschäfte genutzt haben. Imago/Florian Gaertner

Hunderte sogenannte Schatten-Diplomaten wie zum Beispiel Honorarkonsuln sind einer internationalen Medienrecherche zufolge weltweit an kriminellen oder zumindest problematischen Machenschaften beteiligt gewesen. Angestoßen hat die Recherche dem Spiegel zufolge das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) und die US-Rechercheplattform ProPublica.

An dem Projekt „Shadow Diplomats“ (Schatten-Diplomaten) beteiligten sich demnach fast 60 Medien in 46 Ländern. In Deutschland waren es neben dem Nachrichtenmagazin auch der NDR, der WDR und die Süddeutsche Zeitung. Gemeinsam wurden mehr als 500 gegenwärtige oder frühere Honorarkonsuln identifiziert, die in Kriminalfälle, Skandale oder behördliche Ermittlungen verwickelt waren oder sind, darunter verurteilte Drogen- und Waffenhändler sowie Sexualstraftäter, hieß es am Montag in den Berichten dazu.

Problem: Ehrenamtliche Diplomaten werden unzureichend kontrolliert

Ein ehemaliger Honorarkonsul Italiens in Ägypten soll etwa versucht haben, wertvolle Kunstgegenstände wie Mumienmasken außer Landes zu bringen, und sei dafür - in Abwesenheit - zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Problematisch ist laut dem Bericht vor allem, dass die ehrenamtlichen Diplomaten Privilegien genießen, aber nur unzureichend kontrolliert werden.

Allein für Deutschland sind derzeit etwa 350 Honorarkonsuln tätigt. Diese müssen nicht deutsche Staatsbürger sein. Honorarkonsuln „sind an vielen Orten zusätzlich zu den diplomatischen und konsularischen Vertretungen tätig“, heißt es auf der Internetseite des Auswärtigen Amts. Sie üben ihre Funktion ehrenamtlich aus und verfügen über keine diplomatische Immunität.

Honorarkonsuln: Titel sind zum Teil käuflich

Honorarkonsuln sollen unter anderem Länder unterstützen, die es sich selbst nicht leisten können, hauptberufliche Diplomaten ins Ausland zu senden. Oft üben in westlichen Ländern Menschen mit langer Berufserfahrung zum Beispiel in Wirtschaft oder Politik diese ehrenamtliche Funktion aus. Sie pflegen zum Beispiel Kontakte in das andere Land und beglaubigen Dokumente. Laut der Recherche gibt es aber zahlreiche schwarze Schafe, die die Privilegien etwa bei Reisen gezielt ausnutzen - und die Titel seien zum Teil sogar käuflich.

Der Recherche zufolge verschickte die Bundesregierung seit 2020 fünf sogenannte Verbalnoten, um andere Länder über strafrechtliche Ermittlungen gegen deren Honorarkonsuln zu informieren.