Univerbot in Afghanistan: Werden Mädchen nun hinterm Vorhang unterrichtet?

Im Dezember haben die Taliban den Frauen die Universitätsbildung verboten. Nun wird ein Plan überprüft, nach dem sie „hinter einem Vorhang“ unterrichtet werden könnten.

Seit ihrer Machtübernahme im August 2021 haben die Taliban Frauenrechte massiv eingeschränkt.
Seit ihrer Machtübernahme im August 2021 haben die Taliban Frauenrechte massiv eingeschränkt.AP/Ebrahim Noroozi

Im Dezember untersagten die Taliban afghanischen Frauen den Zugang zur Hochschulbildung. Die Universitäten sollten „den genannten Erlass für die Suspendierung von Bildung für Frauen bis auf Weiteres umsetzen“, hieß es damals in einem Brief des Ministers für Höhere Bildung, Neda Mohammed Nadeem, an alle staatlichen und privaten Universitäten.

Am Samstag kündigte Mohammed auf Twitter an, dass er einen Plan prüfe, der es männlichen Lehrern ermöglichen würde, den Unterricht wieder aufzunehmen – unter einer ganz bestimmten Bedingung. „Obwohl ich heute krank bin und mir geraten wurde, mich auszuruhen, müssen wir Tag und Nacht arbeiten, weil dieses Land viel Arbeit braucht“, schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst. „Deshalb haben wir heute den rechtlichen Aspekt des Plans überprüft, dass männliche Lehrer weibliche Studenten hinter dem Vorhang unterrichten können.“

Nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban im August vergangenen Jahres wurden Universitäten bereits gezwungen, neue Regeln einzuführen. So wurden Eingänge und Unterrichtsräume nach Geschlechtern getrennt. Frauen durften nur von anderen Frauen oder alten Männern unterrichtet werden. Die meisten weiblichen Teenager sind in Afghanistan bereits von der Teilnahme an weiterführender Bildung im Sekundarbereich ausgeschlossen.

US-Außenminister Anthony Blinken drohte den Taliban mit Konsequenzen. „Die Taliban können nicht damit rechnen, anerkannte Mitglieder der Staatengemeinschaft zu werden, bis sie die Rechte aller Menschen in Afghanistan anerkennen“, so Blinken.

Im März hatten die Taliban den Mädchen schon am Tag des Schulbeginns den Zugang zur Sekundarstufe verboten. Seitdem wurden viele weibliche Jugendliche verheiratet, oft mit deutlich älteren Männern, um ihre Versorgung zu sichern.

(mit dpa, AFP)