Bautzen - Bei Protesten gegen Corona-Maßnahmen ist es in Bautzen zu Ausschreitungen gekommen. Mehr als zehn Polizisten wurden nach Angaben der Polizei am Montagabend verletzt und einige Fahrzeuge beschädigt. Die Beamten hätten einen Aufzug von etwa 100 Menschen stoppen wollen, sagte ein Polizeisprecher. Dabei seien sie mit Flaschenwürfen und Pyrotechnik sowie körperlicher Gewalt angegriffen worden, schilderte der Polizeisprecher am späten Abend. Die Beamten hätten Reizgas und Schlagstöcke eingesetzt. Die verletzten Polizisten hätten ein Knalltrauma erlitten.

Nach Angaben des Sprechers war ab etwa 18 Uhr ein starker Zulauf in der ostsächsischen Stadt in der Oberlausitz zu verzeichnen. Insgesamt hätten sich etwa 500 Menschen an den Demonstrationen quer durch die etwa 50 Kilometer östlich von Dresden liegende Stadt beteiligt. Die Beamten hätten versucht, die Aufzüge zu stoppen. Dabei sei es zu der Eskalation gekommen. Nach Angaben des Polizeisprechers waren im vorderen Drittel der Demonstrationszüge „Personen eher dem extremistischen Spektrum zuzuordnen“.

Bereitschaftspolizei und Bundespolizei kommen zur Hilfe

Letztlich sei es gelungen, zunächst etwa 150 Menschen festzusetzen und deren Identität aufzunehmen. Später seien etwas entfernt weitere rund 40 Personen gestoppt worden. Die Beamten der Polizeidirektion Görlitz wurden nach den Angaben von der Bereitschaftspolizei unterstützt. Zeitweise seien auch Bundespolizisten zur Hilfe gekommen.

Nach den Ausschreitungen forderten Politiker ein Verbot der rechtsextremen Partei Freie Sachsen. Alle Kriterien seien erfüllt, Innenminister Roland Wöller (CDU) müsse handeln, schrieb die Linke-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz auf Twitter. Die Polizei sei bei den unerlaubten Demonstrationen am Montagabend in Ostsachsen unterbesetzt und überfordert gewesen. Der Staat gebe sein Gewaltmonopol leichtfertig auf. „Hier wird Bürgerkrieg geprobt. Sonst nix“, betonte Köditz.

Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt schrieb ebenfalls auf Twitter, wenn in Sachsen Tausende Menschen Neonazis hinterherliefen, dann gebe es ein wirkliches Problem im Freistaat. „Keiner kann nach den vielen Ereignissen mehr behaupten, dass die Leute nicht wissen, was sie tun. Sie wissen es ganz genau.“

Auch in Schweinfurt (Bayern) kam es zu gewalttätigen Protesten. Dabei geriet ein vierjähriges Kind in Kontakt mit einer Pfefferspraywolke. Das Kind musste medizinisch versorgt werden, es wurde Anzeige gegen die Mutter erstattet.

In Brandenburg demonstrierten am Montag zahlreiche Menschen gegen die Corona-Politik der Bundesregierung. Schwerpunkt war der Süden des Landes mit etwa 9000 Teilnehmenden an 16 Orten in den Kreisen Elbe-Elster, Dahme-Spreewald, Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz und der Stadt Cottbus.