Nach der Todesfahrt in Berlin wird der 29-jährige Fahrer in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Das Amtsgericht Tiergarten erließ am Donnerstagnachmittag einen von der Staatsanwaltschaft Berlin beantragten Unterbringungsbefehl. Die Ermittlungen wegen Mordes und versuchten Mordes gehen weiter.

Es gebe Anhaltspunkte für paranoide Schizophrenie, die behandelnden Ärzte wurden von der Schweigepflicht entbunden, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Deutsch-Armenier kommt nun in das Krankenhaus des Maßregelvollzugs, ein Krankenhaus für psychisch kranke Straftäter in Berlin.

Polizei und Staatsanwaltschaft: Keine Anzeichen, dass die Tat geplant war

Der Mann wurde nach der Tat am Mittwoch noch ins Krankenhaus mit leichten Verletzungen eingeliefert, aber auch wieder entlassen und in Polizeigewahrsam genommen.

Im Tatauto wurden laut Berliner Staatsanwaltschaft zwei handgeschriebene Plakate mit entfernten Bezug zum Berg-Karabach-Konflikt gefunden. Es gebe aber keine Anhaltspunkte, dass sie in Bezug zur Tat stehen, so der Sprecher. Es gab 2014 wegen Diebstahls eine richterliche Verwarnung gegen den Mann. Die Polizei hatte aber keine Anzeichen dafür, dass die Tat von langer Hand geplant war.

Staatsanwaltschaft wirft Fahrer Mord und versuchten Mord vor

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, der Mann sei „bewusst mit einem Fahrzeug“ in eine erste Gruppe von Menschen an der Ecke Kudamm und Rankestraße sowie dann auf der Tauentzienstraße in eine Gruppe von Schülern und Lehrern gefahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm einen vollendeten Mord und siebzehn versuchte Mordtaten vor, „da hinsichtlich weniger schwer verletzter Personen ein Tötungsvorsatz nicht mehr angenommen wurde“. Zuvor war von einem Mord sowie 31 Fällen von versuchtem Mord die Rede gewesen. Die Mordmerkmale seien Heimtücke und Begehung mit gemeingefährlichen Mitteln.

Eine Mordkommission des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) ermittelte am Donnerstag weiter zum genauen Ablauf der Tat. Unter Umständen soll sie wegen der vielen Opfer, Zeugen und sonstigen Hintergründe personell aufgestockt werden.

Spranger und Giffey: Amokfahrt eines psychisch gestörten Menschen

Berlins Innensenatorin Iris Spranger und die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (beide SPD) sprachen inzwischen von einer Amokfahrt eines psychisch gestörten Menschen. Die Polizei nutzte den Begriff „Amoktat“ zunächst bewusst nicht. „Es gibt Tendenzen in diese Richtung, wir legen uns da aber noch nicht fest.“

Am Tatort am Kudamm und der Tauentzienstraße arbeitete am Donnerstag erneut die Spurensicherung der Kriminalpolizei. Auch das sichergestellte Auto sollte noch einmal „intensiv durchsucht“ werden, so der Sprecher. Die Polizei bat Zeugen, sich zu melden und auch mögliche Videos und Fotos der Tat an eine Internetseite der Polizei zu schicken.

Die Polizei sah weiterhin keinen politisch-extremistischen Hintergrund der Tat. „Hinweise auf eine politische Motivation haben wir derzeit nicht.“ Die im Auto gefundenen Plakate mit Äußerungen zur Türkei stünden „inhaltlich nicht im Zusammenhang mit der Tat“. Unklar war auch, wem sie gehören. Besitzerin des Autos ist die Schwester des Fahrers.

Polizei: Sechs Menschen weiterhin in lebensbedrohlichem Zustand

Sechs Menschen befinden sich laut Polizei weiterhin in einem lebensbedrohlichen Zustand. Neben der toten Lehrerin seien nach neuesten Informationen 29 Menschen verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Dazu zählten auch Menschen, die unter Schock stünden.

Neben den Betroffenen aus der Schülergruppe, mit der die getötete Lehrerin aus Hessen in Berlin unterwegs war, gebe es derzeit 14 weitere Betroffene. Weitere Schwankungen bei den Zahlen sind nach Angaben von Polizei und Feuerwehr wegen der dynamischen Entwicklung möglich.

Amokfahrt in Berlin: Laut Polizei noch mindestens acht Menschen im Krankenhaus

Von der Schülergruppe aus Hessen befinden sich laut Polizei noch sieben Jugendliche und ein Lehrer im Krankenhaus. Nach Angaben der Feuerwehr (Stand Mittwochabend) wurden insgesamt 22 Menschen in Berliner Krankenhäusern im Zusammenhang mit der Todesfahrt behandelt.

„Wir selbst haben vor Ort 17 Menschen versorgt und in Krankenhäuser gebracht“, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Davon seien sechs Betroffene lebensbedrohlich und drei schwer verletzt gewesen. Weitere Menschen hätten sich eigenständig in Kliniken gemeldet.

Ein Großteil der Betroffenen sei verletzt worden, als der Fahrer an der Ecke Kudamm/Rankestraße in die Menschengruppe gefahren sei. Weitere Verletzte habe es gegeben, als der Wagen knapp 200 Meter weiter auf an der Ecke Tauentzienstraße/Marburger Straße im Schaufenster einer Parfümerie landete.