Wann und wie ereignete sich der Vorfall am Breitscheidplatz?

Um 10.26 Uhr am Mittwoch fuhr der Fahrer eines Renault Clio mit Berliner Kennzeichen an der Straßenecke Kudamm und Rankestraße auf den Bürgersteig des Kudamms und in eine Menschengruppe. Laut der Polizei fuhr er dann zurück auf die Kreuzung und knapp 200 Meter weiter auf der Tauentzienstraße Richtung Osten. Kurz vor der Ecke Marburger Straße lenkte er den Wagen erneut auf den Bürgersteig, touchierte ein anderes Auto, überquerte die Marburger Straße und landete im Schaufenster der Parfümerie Douglas.

Ein Kellner eines nahen Restaurants sagte der Berliner Zeitung, dass das Auto die Opfer „direkt gerammt“ habe. Menschen seien durch die Luft geflogen.

Einige Stunden später, gegen 15 Uhr, wurden umliegende Gebäude wie das Europacenter evakuiert. Grund sei die genauere Untersuchung des Autos des Fahrers, das gegenüber des großen Einkaufszentrums auf der anderen Seite der Tauentzienstraße stand. Es gehe um eine reine Vorsichtsmaßnahme, falls sich in dem Wagen etwas Gefährliches befinden sollte, so die Polizei.

Wie viele Opfer gibt es und wer sind sie?

Eine Frau wurde bei dem Vorfall getötet, neun weitere Menschen schwer verletzt. Sechs der Verletzten schweben nach Angaben der Feuerwehr in Lebensgefahr. Insgesamt wurden nach Kenntnisstand der Polizei von Mittwochabend 14 Menschen verletzt.

Laut der Polizei handelt es sich bei den Opfern um eine auswärtige Schulklasse. Die Schüler sind Zehntklässler aus Bad Arolsen in Hessen. Bei der Toten handelt es sich um die 51-jährige Lehrerin aus der Gruppe, ein weiterer Lehrer wurde schwer verletzt. Die Gruppe war laut der hessischen Landesregierung auf einer Klassenfahrt in der Hauptstadt unterwegs.

Tödlicher Vorfall am Breitscheidplatz: Was ist über den Fahrer bekannt?

Der 29-jähriger Fahrer Gor. H. wurde vorläufig festgenommen. Auf Zeugenvideos war zu sehen, wie er benommen am Straßenrand stand und „Bitte Hilfe, Bitte Hilfe!“ stammelte. Der Deutsch-Armenier sei von Passanten festgehalten worden, nachdem er versucht hatte, wegzulaufen, sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz. Der Mann ist der Polizei wegen anderer Delikte bereits bekannt. Dabei handele es sich aber nicht um extremistische Straftaten, hieß es aus Polizeikreisen.

Den Angaben zufolge soll der Fahrer psychisch auffällig sein. Erwähnt wurde in dem Zusammenhang eine Amokfahrt auf der Stadtautobahn A100 im August 2020, als ein anderer Autofahrer gezielt drei Motorradfahrer rammte. Er wurde vom Gericht in die Psychiatrie eingewiesen.

Berliner Zeitung/Markus Wächter
Eine Polizistin sperrt den Einsatzbereich ab.

Was wissen wir über die Hintergründe des Vorfalls?

Die Hintergründe sind noch nicht ganz klar, die Ermittler gehen aber von einer Amoktat aus. „Nach neuesten Informationen stellt sich das heutige Geschehen an der Tauentzienstraße als eine Amoktat eines psychisch beeinträchtigten Menschen dar“, schrieb Berlins Innensenatorin Iris Spranger am Abend auf Twitter.

Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey bekräftigte am Abend, dass in dem Wagen kein Bekennerschreiben gefunden wurde. „Es gibt entgegen der Aussagen, die zwischendurch mal kamen, kein Bekennerschreiben“, sagte die SPD-Politikerin am Mittwochabend im ZDF-„heute journal“. Es seien auf der Rückbank des Wagens lediglich zwei Plakate gefunden worden. Es sei noch nicht geklärt, ob diese im Zusammenhang mit dem Vorfall stünden, wem sie gehörten und ob dahinter eine politische Aussage stehe. „Wir haben in den ersten Vernehmungen da auch noch keine klaren Aussagen bekommen.“

Die Polizei ermittelt nach Giffeys Worten in alle Richtungen. In dem Auto, das der Schwester des Fahrers gehört, lagen Schriftstücke und Plakate mit Äußerungen zur Türkei, wie sie auf Demonstrationen hochgehalten werden.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik sprach von einem „Tatverdächtigen“, der in ein Krankenhaus gebracht wurde. Von einem zufälligen Unfall war in den Stellungnahmen nicht die Rede. Im Moment gebe es keine Erkenntnisse zu einer politischen Motivation.

Die Polizei bat Zeugen, Hinweise und Mediendateien an ein Hinweisportal zu senden. Zudem sei eine Telefonnummer für Hinweise geschaltet worden.

(mit dpa/AFP)