Springer-Chef Döpfner hat ein Ziel: Irgendwann keine gedruckte Zeitung mehr

Mathias Döpfner, Vorstandschef des Axel-Springer-Verlags, spricht von weiteren Umstrukturierungen im Unternehmen. Die Zukunft des Verlags sehe er in den USA.

Mathias Döpfner ist seit 2002 Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE.
Mathias Döpfner ist seit 2002 Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE.dpa/Kay Nietfeld

Der Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Verlags, Mathias Döpfner, hat im Zuge von Umstrukturierungen bei den deutschen Zeitungen Bild und Welt weitere Sparmaßnahmen angekündigt. Auf die Frage, ob es bei den Marken zu Entlassungen kommen werde, antwortete Döpfner: „Personalumschichtung auf jeden Fall. An der einen Stelle wird es weniger, an der anderen mehr.“ Man müsse sicherstellen, dass das Geschäft „wirtschaftlich gesund“ bleibe – das bedinge auch die Trennung von Mitarbeitern. Eine etwaige Größenordnung nannte der Verlagschef nicht.

Seit September letzten Jahres werden bei Springer die Strukturen des deutschen Mediengeschäfts vor dem Hintergrund des beschleunigten Wandels in der Branche überprüft. Die Auflagen von gedruckten Zeitungen gehen seit Jahrzehnten zurück, das Digitalgeschäft gewinnt für den Konzern auch abseits von Journalismus an Bedeutung.  Nach eigenen Angaben beschäftigt Springer weltweit rund 18.000 Mitarbeiter, darunter 3400 Journalisten. Ein großer Teil des Geschäfts spielt sich in den USA ab – Tendenz steigend, wie Döpfner gegenüber der Deutschen Presse-Agentur betonte.

Döpfner: Wachstumsfokus liegt in den USA

„In den nächsten Jahren wird der Wachstumsmotor des Mediengeschäfts von Axel Springer viel stärker in Amerika liegen als in Deutschland“, erklärte der 60-Jährige im Interview. Eine Verlagerung des Unternehmenssitzes nach Amerika sei jedoch kein Thema. Der Verlag hatte im Oktober 2021 den Kauf der reichweitenstarken US-Zeitung Politico abgeschlossen – bis dato die größte Übernahme der Firmengeschichte. „Politico wird in den USA und auch in Europa expandieren und kann eine echte internationale Marke werden“, so Döpfner.

Auf dem deutschen Markt sah sich der Konzern in jüngster Vergangenheit – auch abseits personenbezogener Skandale wie den Missbrauchsvorwürfen gegen den entlassenen Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt – mit einigen Herausforderungen konfrontiert. So fuhr Springer zuletzt das Programm des erst im August 2021 gestarteten Senders Bild TV wieder deutlich zurück. Grund waren demnach enttäuschende Zuschauerquoten. „Dieses hochambitionierte Nachrichtensenderkonzept war im Rückblick nicht die richtige Idee“, erklärte Döpfner nun. Der promovierte Musikwissenschaftler führt das Unternehmen seit 2002 als Vorstandschef.

Mathias Döpfner: „Bild ist Teil der DNA von Axel Springer“

Während Springer künftig also vor allem auf Wachstum in den USA setzt, will Döpfner zugleich an Bild als größter deutscher Boulevardmarke festhalten. Auf die Frage, ob es vorstellbar sei, sich von Bild zu trennen, antwortete der 60-Jährige: „Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Bild ist Teil der DNA von Axel Springer.“

Eine weitere größere Neuausrichtung sei im Bereich der Digitalisierung geplant: Langfristig soll Springer ein Medienunternehmen ohne gedruckte Zeitungen werden. „Mein Ziel ist, die digitale Transformation zu vollenden und aus Axel Springer ein reines Digitalunternehmen zu machen“, sagte Döpfner. Wann genau, wisse der Verlagschef noch nicht. Jedoch sei es völlig klar, „dass es eines Tages keine gedruckte Bild-Zeitung, keine gedruckte Welt und überhaupt keine gedruckte Zeitung mehr im Hause Axel Springer geben wird.“