In überfüllten Zügen sollte die Bahn nach Ansicht von Linken-Chefin Janine Wissler die erste Klasse für alle Passagiere öffnen.

Zudem solle kurzfristig alles getan werden, um die Kapazitäten zu erhöhen, etwa durch den Einsatz von Doppelstockwagen, sagte Wissler am Dienstag in einer ersten Bilanz zum 9-Euro-Ticket. Mit dem Aktionsfahrschein können Fahrgäste im Juni, Juli und August einen Monat lang bundesweit den Nah- und Regionalverkehr nutzen.

Mit diesem Angebot sei es gelungen, dass mehr Menschen Bahn fahren, und zwar auch solche, die dies sonst nicht täten, sagte Wissler. Die Menschen nähmen die günstigen Preise an. Die Überlastung vieler Bahnen sei nicht im 9-Euro-Ticket begründet, sondern in einer verfehlten Verkehrspolitik. Nötig sei die Reaktivierung von Bahnstrecken, weil dies schneller als Neubau sei.

Wer ein VBB-Ticket hat, darf eine Übergangskarte lösen

An Pfingsten waren kurz nach dem Start des 9-Euro-Tickets viele Züge so voll, dass Passagiere nicht mehr einsteigen oder zumindest ihr Fahrrad nicht mitnehmen konnten. Trotzdem zog die Bahn eine weitgehend positive Bilanz des Wochenendes.

Wie berichtet wird das Neun-Euro-Ticket nur in der zweiten Klasse des Regionalverkehrs anerkannt. Wer damit die erste Klasse nutzt, gilt als Schwarzfahrer. „Ein Übergang in die 1. Wagenklasse ist ausgeschlossen“, heißt es in den Beförderungsbedingungen.

Wer erstklassig reisen will, muss vor der Reise eine reguläre Fahrkarte für die erste Klasse lösen. In Berlin und Brandenburg können zu Fahrausweise, die zum Tarif des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) gelöst werden, Übergangskarten gelöst werden. Wer mit einem VBB-Einzelticket reist, darf zum Beispiel für 4,20 Euro in die erste Klasse wechseln. Ein Zuschlag für einen Monat kostet 47,30 Euro.

Allerdings gibt es meist nur in Regionalexpresszügen größere Erste-Klasse-Bereiche. Im VBB-Bereich ist meist das Oberdeck eines Doppelstockwagens für diese Wagenklasse reserviert. Regionalbahnen sind meist nur mit kleinen Erste-Klasse-Abteilen unterwegs. In vielen Fällen wäre also nicht viel gewonnen, wenn sie für Fahrgäste mit dem Neun-Euro-Ticket geöffnet würden.