BerlinEntgegen den Aussagen der Berliner Polizei wussten Ermittler des Landeskriminalamtes offenbar doch von den Friedensgesprächen zwischen Tschetschenen und Angehörigen des Remmo-Clans. Das behauptet der bekannte Personenschützer Michael Kuhr, der in der Szene als gut vernetzt gilt. Demnach hatte der Unternehmer die Polizei rechtzeitig darüber informiert, dass der Profiboxer Manuel Charr und ein Neuköllner Geschäftsmann zwischen den beiden verfeindeten Gruppierungen als Friedensrichter vermitteln werden.

Die Polizei hatte in der vergangenen Woche dementiert, dass sie involviert gewesen seien, nachdem Charr öffentlich erklärte, die Gespräche hätten in Absprache mit der Polizei stattgefunden. In einer Stellungnahme der Behörde hieß es, „dass die Polizei Berlin keine Absprachen mit Herrn Charr geführt beziehungsweise getroffen hat. Zudem ist es auch nicht bekannt, ob Herr Charr tatsächlich in der von ihm behaupteten Funktion zwischen den Konfliktparteien auftritt oder aufgetreten ist.“

Laut Kuhr hatte die Behörde sehr wohl Kenntnis von dem Treffen der Tschetschenen und Remmos. Auf Instagram erklärte der Berliner Personenschützer, er sei von Charr im Vorfeld der Gespräche angesprochen worden, die Polizei zu kontaktieren.

„Er kennt ja nur die 110, ich kenne die Fachdienststellen“, sagte Kuhr. Der fünffache Kickbox-Weltmeister habe daraufhin das Landeskriminalamt informiert, dass in Berlin Friedensgespräche zwischen Tschetschenen und dem Araberclan stattfinden werden. „Und die haben entsprechend ihre Maßnahmen eingeleitet“, so Kuhr, der sich seit Jahren im Kampf gegen Organsierte Kriminalität engagiert.

Kuhr behauptet, das Charr von Anfang an die brenzlige Situation zusammen mit der Polizei klären wollte. In Berlin waren am 7. und 8. November Machtkämpfe zwischen Tschetschenen und einem arabischen Clan eskaliert. Es kam zu drei Massenschlägereien zwischen Tschetschenen und Angehörigen des Remmo-Clans. Kuhr habe Informationen, dass die Tschetschenen für weitere Angriffe Verstärkung aus ganz Europa nach Berlin holen wollten. Dies sei aber durch die Friedengespräche verhindert worden. „Im Moment ist Frieden. Wie lange, steht in den Sternen“, sagte der Chef eines Sicherheitsdienstes.

Hintergrund ist ein Instagram-Post, den der Profiboxer Charr am Mittwoch vergangener Woche veröffentlichte. Der 36-Jährige hatte die Nachricht verbreitet, dass nun Frieden zwischen den Tschetschenen und dem Araberclan herrsche: „Frieden in Berlin Al Hamdullah es war keine Selbstjustiz alles in Absprache mit der Polizei und meinem Freund“. Dazu postete er ein Foto mit sieben Männern, die in einem Raum um einen Tisch sitzen und verhandeln. Charr schrieb außerdem: „Wir sollten einander lieben und uns mehr verbinden als zuvor.“ 

Tschetschenische Banden gelten als besonders gewaltbereit und skrupellos. Einzelne Gruppierungen stellten auch einen Teil der Dschihadisten-Miliz „Islamischer Staat“ und sind aus mehreren Kriegen gegen Russland kampferprobt. Auch auf deutschen Straßen schrecken sie nicht vor Schießereien zurück, etwa im März 2017, als aus einer Maschinenpistole auf ein Café in Gesundbrunnen geschossen wurde. Im August 2018 kam es am Tschetschenischen Kultur-Zentrum im Märkischen Viertel zu einem längeren Schusswechsel in der Öffentlichkeit. Wechselseitig wurden mindestens 20 Schüsse abgefeuert.