Berlin - Bartgeier Quercus aus dem Zoo Berlin ist jetzt ein Spanier. Wie der der Zoo am Freitag mitteilte, wurde der drei Monate alte Jungvogel am Donnerstag zusammen mit einem weiteren Artgenossen in dem rund 2600 km entfernten Sierra de Castril Natural Park in Andalusien in seine neue Umgebung entlassen.

„Wir freuen uns, dass es trotz der momentanen Einschränkungen geklappt hat. Wir sind sehr gespannt, unser Tier auf seinem neuen Weg aus der Ferne zu begleiten“, erklärt der Zoologische Leiter des Berliner Zoos, Dr. Ragnar Kühne.

Zoo Berlin
Forscher der Vulture Conservation Foundation bringen die Tiere in die Gebirge.

Für die Wiederansiedelungsaktion der Vögel steht nur ein äußerst kleines Zeitfenster zu Verfügung: Mit einem Alter von 90 bis 100 Tagen müssen die Tiere an ihrem zukünftigen Horst ankommen. Nur in diesem Zeitraum sind sie weit genug entwickelt, um nicht mehr auf die Versorgung durch die Elterntiere angewiesen zu sein, aber noch nicht zu alt, um die neue Umgebung als ihr Zuhause anzuerkennen. In der ersten Zeit werden sie vom Forschungsteam der Vulture Conservation Foundation (VCF) gefüttert, bevor sie schließlich ihre ersten Flüge ins Gebirge wagen.

Vorgänger wurde nach erfolgreicher Auswilderung erschossen 

Im vergangenen Jahr musste das Artenschutz-Projekt jedoch einen traurigen Rückschlag erleben: Der im Tierpark Berlin geschlüpfte Bartgeier Dolomie konnte zwar erfolgreich ausgewildert werden, wurde aber wenige Monate später tot aufgefunden. Ein Röntgenbild zeigte 15 Schrotkugeln im Körper, polizeiliche Untersuchungen zum illegalen Abschuss brachten kein Ergebnis.

Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,85 Metern gehört der Bartgeier zu den größten Greifvogelarten Europas. Er lebt vorwiegend in Gebirgsregionen oberhalb der Waldgrenze und legt Horste in Felsnischen an. Bartgeier haben eine wichtige Funktion für das Ökosystem. Sie werden auch als die Hygienepolizei der Natur bezeichnet, da die Geier bei der Beseitigung von Aas eine zentrale Rolle spielen. Durch ihren sehr säurehaltigen Magen können Bartgeier sogar Knochen verdauen.