BerlinDie evangelische Kirche muss nach eigenen Angaben möglicherweise Ausgaben kürzen, die eigentlich sinnvoll sind, die die sie aber nicht mehr weiter finanzieren könne, Dies sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Heinrich Bedford-Strohm dem Evangelischen Pressedienst vor den zweitägigen Synodenberatungen, die am Sonntagvormittag beginnen. Konkrete Beispiele nannte er mit Verweis auf die bevorstehenden Beratungen nicht.

Zahl der Kirchenmitglieder könnte sich bis 2060 halbieren

Laut Beschlussvorlage für die Synode will die Evangelische Kirche bis 2030 rund 20 Prozent ihrer Ausgaben einsparen. Das sind etwa 17 Millionen Euro. Die EKD-Finanzexperten haben dafür eine Streichliste vorgelegt, die Kürzungen von Zuschüssen etwa für kirchliche Hochschulen, die Frauen- und Männerarbeit sowie die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen vorsehen. In den Landeskirchen gibt es ähnliche Sparbemühungen, denn einer Prognose zufolge könnte sich die Zahl der Kirchenmitglieder und damit auch die Finanzkraft bis 2060 halbieren. Zudem verschärft die Corona-Pandemie die Lage, wenn in einer Rezession die Einnahmen aus der Kirchensteuer sinken.

Der bayerische Landesbischof mahnte zu stärkerer Zusammenarbeit innerhalb der EKD und zum Abbau von Doppelstrukturen. Die EKD sieht er in der Rolle eines koordinierenden Dienstleisters unter den 20 Landeskirchen. Als Beispiel nannte er das Thema Digitalisierung. „Da macht es keinen Sinn, dass jede Landeskirche ihre eigenen Dinge entwickelt“, sagte Bedford-Strohm in dem Interview für den Evangelischen Pressedienst.

Wegen der Pandemie findet die EKD-Synodentagung erstmals digital statt und wurde auf zwei Tage verkürzt. Am Vormittag steht der Bericht des EKD-Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm im Mittelpunkt, in dem der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten traditionell auch zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen Stellung nimmt. Bedford-Strohm hatte vor wenigen Tagen angekündigt, sich im nächsten Jahr mit 61 Jahren von der EKD-Spitze zurückzuziehen und nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen.