Berlin - Der Leiter des Verfassungsschutzes von Mecklenburg-Vorpommern, Reinhard Müller, hat den Vorwurf zurückgewiesen, seine Behörde habe wichtige Hinweise eines Informanten auf mögliche Hintermänner des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri aus dem Berliner Clan-Milieu zu Unrecht versenkt. Müller sagte am Donnerstag als Zeuge im Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz, die damals gelieferten Informationen seien „in sich nicht schlüssig“ gewesen und deshalb nicht an Bundesbehörden weitergegeben worden. Als die Abgeordneten ihn nach dem Mitarbeiter fragten, der den Hinweis des Informanten aus Berlin damals an seinen Referatsleiter gemeldet hatte, antwortete Müller, er könne weitere Aussagen nur in einer geheimen Sitzung machen.

Nach Einschätzung von Mitgliedern des Ausschusses hatte dieser Referatsleiter jedoch in einer geheimen Zeugenvernehmung nicht schlüssig erklären können, weshalb er den Hinweis im Februar 2017 nicht an die Ermittler oder das Bundesamt für Verfassungsschutz weitergegeben hatte. Sein Mitarbeiter hatte den Hinweis damals für glaubwürdig gehalten. Er leitete ihn 2019 schließlich an andere Vorgesetzte und auch an Vertreter von Bundesbehörden weiter.

Wie die Ausschussmitglieder inzwischen herausfanden, hatte der Informant aus dem Islamisten-Milieu seinem Kontaktmann beim Landesamt für Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern rund zwei Monate nach dem Anschlag berichtet, er habe in Berlin – mehr oder weniger zufällig – mitgehört, wie sich Mitglieder eines arabischen Clans über Amri unterhielten. Dem Vernehmen nach schloss der Informant aus diesem und einem weiteren Gespräch, sie hätten ihm Geld gegeben und ihm auch bei der Flucht geholfen.