Blackout: Deutsche Behörden erarbeiten Notfallplan für Bargeld-Sicherung

Die deutschen Behörden bereiten sich offenbar verstärkt auf Bargeldlieferungen vor, falls es zu Stromausfällen infolge des Ukraine-Krieges kommt. 

Viele Deutschen zahlen lieber mit Bargeld als mit Karte.
Viele Deutschen zahlen lieber mit Bargeld als mit Karte.dpa/Patrick Pleul

Obwohl das Szenario eines unkontrollierten Stromausfalls von der Regierung als unwahrscheinlich bezeichnet wird, haben Entscheidungsträger bereits Pläne dafür gemacht, wie Deutschland bei einem möglichen Blackout mit Bargeld versorgt werden könnte. Das geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hervor. Sie beruft sich dabei auf vier an dem Plan beteiligte Personen, die teils anonym bleiben wollen.

Bei dem Notfallplan gehe es darum, den Zugang zu Bargeld zu sichern, damit die deutsche Wirtschaft möglichst wenig beeinträchtigt würde. Zu den Plänen gehört laut Information von Reuters, dass die Deutsche Bundesbank zusätzliche Milliarden hortet, um einen Nachfrageschub zu bewältigen, und dass die Abhebungen möglicherweise begrenzt werden. Beamte und Banken befassen sich auch mit der Verteilung und erörtern beispielsweise den vorrangigen Zugang zu Treibstoff für Geldtransporteure, sagten andere und kommentierten die Vorbereitungen, die sich in den letzten Wochen beschleunigten, nachdem Russland die Gaslieferungen gedrosselt hatte. 

Zentralbank, Finanzmarktaufsicht BaFin und Verbände sind beteiligt

An den Gesprächen seien die Zentralbank, ihre Finanzmarktaufsicht BaFin und mehrere Verbände der Finanzindustrie beteiligt, heißt es weiter. Die deutschen Behörden hatten die Wahrscheinlichkeit eines Stromausfalls aufgrund des Ukraine-Kriegs und der Energiekrise heruntergespielt. Doch die Pläne würden zeigen, wie ernst sie die Bedrohung nehmen, schätzen die anonymen Quellen der Nachrichtenagentur ein.

Der Zugang zu Bargeld ist für die Deutschen von besonderer Bedeutung, da sie die Sicherheit und Anonymität, die es bietet, schätzen und es tendenziell häufiger als andere Europäer verwenden. Einige horten immer noch die D-Mark, die vor mehr als zwei Jahrzehnten durch den Euro ersetzt wurde.

Statistik: 60 Prozent der Einkäufe in Deutschland werden in bar bezahlt

Rund 60 Prozent der alltäglichen Einkäufe werden in bar bezahlt, so eine aktuelle Studie der Bundesbank. Durchschnittlich würden die Deutschen jährlich mehr als 6600 Euro abheben, hauptsächlich an Geldautomaten. Ein parlamentarischer Bericht warnte vor zehn Jahren vor „Unzufriedenheit“ und „aggressiven Auseinandersetzungen“ für den Fall, dass die Bürger bei einem Stromausfall nicht an Bargeld herankämen.

Zu Beginn der Pandemie im März 2020 gab es einen Ansturm auf das Bargeld, als die Deutschen 20 Milliarden Euro mehr abhoben als sie einzahlten. Das war ein Rekord, und es hat reibungslos funktioniert.