Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat am Sonntag am Sowjetischen Ehrenmal im Berliner Tiergarten einen Kranz zum Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs niedergelegt. Mehrere Hundert Menschen waren ebenfalls zum Mahnmal gekommen.

Einige von ihnen skandierten bei der Kranzniederlegung des Botschafters „Melnyk raus!“. Andere Teilnehmende begannen daraufhin mit ukrainischen Sprechchören. Viele trugen blaue und gelbe Kleidungsstücke – die Nationalfarben der Ukraine.

Ein Mann verteilte laut einem dpa-Reporter ukrainische Papier-Flaggen, die die Polizei aber rasch wieder einsammelte. Der Mann wurde demnach von den Beamten von der Veranstaltung weggeführt. Ein Polizeisprecher machte auf Anfrage dazu nächst keine Angaben.

8. Mai in Berlin: Polizei erlässt Fahnen-Verbot

Die Polizei hatte anlässlich des Gedenkens an das Weltkriegsende in Europa vor 77 Jahren am Sonntag und am Montag in Berlin für 15 Gedenkorte Auflagen erlassen, unter anderem ein Verbot von russischen und ukrainischen Fahnen. Ausgenommen von dem Verbot waren unter anderem Diplomatinnen und Diplomaten sowie Veteranen des Weltkriegs.

Benjamin Pritzkuleit
Polizisten rollen die 25 Meter lange Ukraine-Flagge ein.

Bei der Gedenkveranstaltung der ukrainischen Botschaft im Tiergarten waren Flaggen für die geladenen Gäste einheitlich erlaubt. Eine Ukraine-Flagge musste allerdings eingerollt werden, da sie zu groß war. Die Polizei schrieb auf Twitter: „Derzeit findet ein offizielles Gedenken des ukrainischen Botschafters am sowjetischen Ehrenmal in Tiergarten statt, deren geladene Gäste Fahnen zeigen dürfen, was zu Unmutsäußerungen bei Umstehenden führt. Damit das friedliche, würdevolle Gedenken weiterhin im Vordergrund steht, stellten unsere Kolleg. sicher, dass eine ca. 25 m lange ukrainische Fahne eingerollt wurde.“

Mit den Auflagen wollte der Senat laut eigener Aussage verhindern, dass das Weltkriegsgedenken von möglichen Konflikten im Zusammenhang mit dem aktuellen Krieg in der Ukraine überschattet wird. Die Landesregierung hatte sich auf ein stilles Gedenken geeinigt und angekündigt, keine der offiziellen Veranstaltungen zu besuchen. „Die aktuelle Lage ist sehr bedrückend, und dem muss auch ein solches Gedenken gerecht werden“, hatte die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) in der vergangenen Woche betont.

Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) besuchte am Nachmittag daher eine Begegnungsveranstaltung für ukrainische Geflüchtete in Berlin-Kreuzberg. Dieser Sonntag sei ein „Tag des Gedenkens über die schlimmen Folgen eines Angriffskriegs, der von Deutschland ausging“, sagte sie dort bei einem Grußwort. „Es ist ein Tag, an dem wir gedenken an die vielen Opfer von damals, aber auch solidarisch an der Seite der Ukraine stehen.“

Die Polizei war eigenen Angaben zufolge allein am Sonntag mit bis zu 1700 Beamtinnen und Beamten im Einsatz. Auch am Montag soll eine ähnlich große Zahl an Kräften bei weiteren Veranstaltungen unterwegs sein. Am 9. Mai erinnert Russland traditionell an das Kriegsende in Europa.