Beim Thema Merkel wird Schäuble deutlich

Der frühere Bundestagspräsident attestiert der Altkanzlerin einen Mangel an Selbstkritik bei ihrer Russlandpolitik. Als große Kanzlerin sieht er sie nicht.

Wolfgang Schäuble und Angela Merkel
Wolfgang Schäuble und Angela Merkelimago/ Christian Spicker

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mangelnde Selbstkritik wegen ihrer Russlandpolitik vorgehalten. „Bemerkenswert ist jedoch, dass sie auch jetzt in Bezug auf Russland nicht sagen kann, dass wir Fehler gemacht haben“, sagte Schäuble dem Handelsblatt vom Freitag.

Nach derzeitigem Stand zählt der CDU-Politiker Merkel nicht zu den großen deutschen Kanzlern. Dazu gehörten nach seiner Einschätzung Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Kohl, sagte Schäuble. Diese Aufzählung sei „vorläufig abgeschlossen“, fügte er hinzu. „Ob Frau Merkel unter den großen Kanzlern einzuordnen sein wird, das ist vielleicht zeitlich noch zu früh, um das abschließend zu beurteilen.“

Schäuble: Alle Politiker haben Putin unterschätzt

Aus Schäubles Sicht haben alle Politiker den Fehler gemacht, die Bedrohung durch Wladimir Putin zu unterschätzen. „Wir wollten es nicht sehen. Das gilt für jeden.“ Er sei in diesem Punkt auch wütend auf sich selbst. Anzeichen für die Gefahr habe es gegeben.

„Putin hat öffentlich gesagt, der Zerfall der Sowjetunion sei die größte Katastrophe, und dass er das rückgängig machen wolle“, sagte Schäuble. Eine andere Frage sei, ob es damals schon eine Mehrheit gegeben hätte, entsprechend zu reagieren.