Ukrainische Rakete auf belarussischem Staatsgebiet – Protestnote an Botschafter

Die Rakete könnte womöglich durch den Einsatz der  ukrainischen Flugabwehr auf das Gebiet von Belarus gelangt sein. Das wäre ein ähnlicher Vorfall wie im November in Polen.

Belarussische und Russische Soldaten bei einer Übung. Die Länder gründeten im Oktober eine gemeinsame Militäreinheit.
Belarussische und Russische Soldaten bei einer Übung. Die Länder gründeten im Oktober eine gemeinsame Militäreinheit.Imago/ITAR-TASS

Belarus hat nach dem Einsatz der ukrainischen Flugabwehr gegen russische Angriffe über den Fund einer Rakete auf seinem Staatsgebiet informiert. Das Verteidigungsministerium in Minsk teilte mit, das Geschoss vom Typ S300 sei „von ukrainischem Territorium aus“ abgefeuert worden. Die Trümmer der Rakete seien in der Region um Brest nahe der Grenze zur Ukraine und Polen gefunden worden.

Die staatliche Nachrichtenagentur Belta berichtete, dass die Rakete womöglich im Zuge des Einsatzes der ukrainischen Flugabwehr auf das Gebiet von Belarus gelangt sei. Das wäre ein ähnlicher Vorfall wie im November, als polnisches Gebiet getroffen wurde.

Untersucht werde aber auch, ob die Rakete durch die belarussische Flugabwehr abgefangen worden sei. Von Verletzten war zunächst keine Rede. Belta veröffentlichte auch ein Foto, das Raketenreste zeigen soll. Experten des Innen- und Verteidigungsministeriums seien im Einsatz, um den Fall zu untersuchen, hieß es.

Kiew will sich an Untersuchungen zu Rakete in Belarus beteiligen

Das ukrainische Verteidigungsministerium bot seine Mitarbeit an den Untersuchungen an. In einer am Donnerstagabend veröffentlichten Erklärung des Ministeriums in Kiew heißt es, dass die Behörde zu einer „objektiven Untersuchung des Vorfalls“ bereit sei.

Das Verteidigungsministerium in Kiew wies darauf hin, dass die Ukraine am Donnerstag von einer Welle russischer Marschflugkörper angegriffen worden sei. „Daher ist auch eine Provokation von Seiten des Terroristen-Staats Russland nicht auszuschließen, der eine Flugroute seiner Marschflugkörper so ausgewählt hat, um ihren Abschuss im Luftraum über Belarus zu provozieren“, hieß es. 

Der belarussische Langzeit-Machthaber Alexander Lukaschenko war über den Vorfall informiert worden. Das belarussische Außenministerium berief den ukrainischen Botschafter ein und äußerte „scharfen Protest“. Der Vorfall müsse umgehend untersucht werden, da derartige Vorkommnisse „katastrophale Folgen“ haben könnten und sich nicht wiederholen dürften, erklärte das Ministerium.

Sorge vor russischen Angriffen von belarussischem Gebiet aus

Belarus ist nicht direkt an Kampfhandlungen in der Ukraine beteiligt. Allerdings hat Lukaschenko russischen Truppen die Militärbasen in dem Land für Angriffe auf die Ukraine überlassen.

In der Ukraine sind die Sorgen groß, dass Russland von Belarus aus einen neuen Angriff starten könnte. Ein solcher Fund einer Rakete könnte von Belarus und Russland als Vorwand genutzt werden, um von dort aus wieder aktiv zu werden. Mitte Oktober hatten die Länder bekannt, eine gemeinsame Militäreinheit zu bilden. Als Grund wurden angebliche Angriffspläne der Ukraine auf Belarus angegeben. Tausende russische Soldaten wurden daher im Land stationiert. 

Im November war eine mutmaßlich fehlgeleitete Rakete in einem Dorf im Nato-Mitgliedsstaat Polen eingeschlagen und hatte dort zwei Menschen getötet. Der Vorfall, der nach Auffassung der Nato und Polens wahrscheinlich durch eine ukrainische Rakete verursacht wurde, schürte Ängste vor einer Ausweitung des Ukraine-Kriegs auf andere Staaten.