BerlinUnbekannte haben auf der Museumsinsel am Tag der deutschen Einheit Dutzende Exponate beschädigt. Die Polizei und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz bestätigten auf einer Pressekonferenz am Mittwoch entsprechende Medienberichte. 63 Ausstellungsstücke wurden mit einer öligen Flüssigkeit bespritzt und sichtbar beschädigt. Darunter sind drei bis vier Leihgaben. Die Polizei gab am Mittwoch eine Öffentlichkeitsfahndung nach den Tätern heraus.

Sie stellvertretende Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin, Christina Haak, sagt am Nachmittag, dass die Schadenshöhe derzeit noch ermittelt wird. Es sei aber der bisher umfangreichste Schaden für die Häuser auf der Museumsinsel.

Die nicht ätzende Flüssigkeit wird nun analysiert.
Foto: Eric Richard

Betroffen sind Kunstwerke und Antiken unter anderem von diesen Einrichtungen: dem Pergamonmuseum, dem Neuen Museum sowie der Alten Nationalgalerie. 

Bei der Tat habe es keine erkennbaren Muster gegeben. Täter und Motiv seien noch unklar. Der oder die Täter seien ziellos vorgegangen. Die nicht ätzende Flüssigkeit sei analysiert worden. Die Reinigung der Ausstellungstücke stelle sich als kompliziert dar, weil jede Oberfläche anders sei. Ein Vertreter des Landeskriminalamts sagte: „Wir ermitteln derzeit in alle Richtungen.“

Nach Informationen des Tagesspiegel könnten möglicherweise Anhänger des umstrittenen Kochs Attila Hildmann den Anschlag verübt haben. Demnach hatte der Verschwörungstheoretiker bereits im August und September auf seinem Telegram-Kanal behauptet, das Pergamonmuseum sei das Zentrum einer „globalen Satanisten-Szene“ und von „Corona-Verbrechern“.

In einem Schreiben des Landeskriminalamtes, dass an verschiedene Besucher ging, bittet das Landeskriminalamt nun um Hinweise. Wörtlich heißt es hier laut Tagesspiegel, dem nach eigenen Angaben eines der Schreiben vorliegt: „Sind Ihnen oder Ihrer Begleitung verdächtige Personen aufgefallen? Falls ja, wodurch? Halten Sie ein Wiedererkennen auf Lichtbildern für möglich? Sind Ihnen Beschädigungen in Form von Flecken an einzelnen Exponaten oder auf dem Fußboden aufgefallen? Falls ja, wann und wo?“

Museen erhielten keine Drohungen

Doch warum wurde die Tat drei Wochen verschwiegen? Die Berliner Polizei beantwortet diese Frage am Mittwochmorgen auf Anfrage der Berliner Zeitung „mit ermittlungstaktischen Aspekten mit hoher Priorität“. Die Innenverwaltung von Senator Andreas Geisel (SPD) wollte die Angelegenheit nicht kommentieren. Sie verwies auf die eigenständige Ermittlung der Polizei.

Ob der Tag der Deutschen Einheit absichtlich als Tatzeit gewählt wurde, war zunächst unklar. Laut Vize-Generaldirektorin Haak gab es im Sommer Fälle von Vandalismus im Kolonnadenhof des Neuen Museums. Drohungen hätten die Museen nicht erhalten. Gemälde wurden nicht beschädigt, allerdings Rahmen in der Alten Nationalgalerie.

Unter den betroffenen Objekten sind zum Beispiel die Sarkophagwanne des Nehi (18. Dynastie, um 1390-1330 v. Chr) und der Sarkophag des Propheten Ahmose (332-330 v. Chr.). Auf ihnen sind Spritzer einer Flüssigkeit zu erkennen. Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung, sagte: „Es sind keine herausragenden Exponate betroffen, aber das sind alle meine Kinderchen und die habe ich alle lieb.“

Sicherheitsmaßnahmen in den Museen wurden verschärft

Hans-Jürgen Harras, zuständiger Referatsleiter für die Sicherheit der Museen, sagte, die Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollgänge seien verschärft worden. Vize-Generaldirektorin Haak betonte: „Wir haben logischerweise ein Sicherheitskonzept.“ Dieses werde immer entlang von Gefahrenlagen weiterentwickelt. „Hundertprozentige Sicherheit für die Objekte heißt, dass wir sie der Öffentlichkeit entziehen.“ Drei oder vier Leihgaben sind laut Haak versichert, die dem Bund gehörenden Arbeiten sind nicht versichert.

Die Museumsinsel gehört seit 1999 zum Unesco-Weltkulturerbe. Die zwischen zwei Spreearmen gelegene Gruppe aus Altem Museum, Bode-Museum, Alter Nationalgalerie, Neuem Museum mit der berühmten ägyptischen Pharaonen-Büste der Nofretete und der James-Simon-Galerie zieht Millionen Besucher an.

Immer wieder stellt sich die Frage, wie deutsche Museen gegen Kriminelle geschützt sind. Die Goldmünze „Big Maple Leaf“ mit einem Wert von 3,75 Millionen Euro wurde in der Nacht zum 27. März 2017 aus einer Vitrine gestohlen und mit Schubkarre und Rollbrett abtransportiert. Die Diebe waren durch ein Fenster eingestiegen. Die Beute ist bis heute verschwunden und wurde vermutlich zerstückelt und verkauft. 2019 wurde das Schatzkammermuseum Grünes Gewölbe im Dresdner Residenzschloss zum Tatort: Zwei Unbekannte erbeuteten am 25. November historische Diamanten und Brillanten.