WashingtonBundesstaatsanwälte in den Vereinigten Staaten haben Medienberichten zufolge erste Anklagen im Zusammenhang mit dem Angriff auf das Gebäude des US-Parlaments erhoben. Wie NBC News meldete, geht es bei den Vorwürfen gegen einen Mann um Hausfriedensbruch, den Angriff auf einen Bundesbeamten sowie gewaltsames Eindringen in das und ordnungswidriges Verhalten auf dem Gelände des Kapitols. Er soll sich bereits vor Ort entschuldigt haben.

Ein weiterer Mann wird beschuldigt, auf dem Gelände eine Handfeuerwaffe und Munition bei sich getragen zu haben. Er habe angegeben, die Waffe zur Verteidigung bei sich getragen und nicht vorgehabt zu haben, mit ihr jemandem wehzutun. Bei den Ausschreitungen wurden offiziellen Angaben nach mindestens 68 Menschen festgenommen worden. Die Polizei in Washington teilte mit, 56 Polizisten seien zudem verletzt worden, zwei davon würden im Krankenhaus behandelt. Des Weiteren seien zwei Rohrbomben und sechs Schusswaffen sichergestellt worden.

Mehr als 50 Strafanzeigen

Die Polizei identifizierte am Donnerstag außerdem die vier Toten, die bereits am Vortag gemeldet worden waren. Bei der Frau, die infolge einer Schussverletzung starb, handelte es sich demnach um eine 35-Jährige aus Maryland. Die drei Menschen, die bei - wie es hieß -„medizinischen Notfällen“ ums Leben kamen, waren im Alter von 34 bis 55 Jahren und kamen aus Georgia, Alabama und Pennsylvania.

Staatsanwalt Mike Sherwin sagte in einer Telefonschalte mit Journalisten, im Zusammenhang mit den Vorfällen am Kapitol seien innerhalb von 36 Stunden in insgesamt 55 Fällen Strafanzeigen gestellt worden. In den meisten Fällen laute der Vorwurf auf unerlaubtes Betreten bestimmter Bereiche, in manchen Fällen gehe es aber auch um Körperverletzung oder unerlaubten Waffenbesitz. Bei den Vorwürfen seien „alle Optionen auf dem Tisch“, darunter auch Aufruhr.

Soziale Netzwerke werden durchsucht

Sherwin betonte, man stehe bei der Strafverfolgung erst am Anfang. Ermittler würden Videomaterial sichten und Hunderte Mitarbeiter soziale Netzwerke durchsuchen, um potenzielle Straftäter zu identifizieren. Nach Angaben der Polizei kamen zwölf der Festgenommenen aus Washington oder den angrenzenden Bundesstaaten Maryland und Virginia. 50 weitere sollen aus weiter entfernten Bundesstaaten stammen, sechs Personen keine offizielle Meldeadresse haben.

NBC News zufolge sprachen sich im Zusammenhang mit den Vorfällen von Mittwoch bereits mehr als 100 Politiker aus Senat und Repräsentantenhaus für eine Absetzung von US-Präsident Trump aus. Die New York Times berichtete, dass ein Anbieter von Onlineshops mehrere Seiten mit Trump-Produkten entfernt habe, darunter auch solche mit offiziellem Trump-Merchandise.