BerlinObwohl Bundesfamilienministerin Franziska Giffey auf ihren Doktortitel verzichtet hat, wird die Freie Universität (FU) Berlin die Doktorarbeit erneut prüfen. Das teilte die FU am Mittwochabend mit. Dazu werde erneut ein Gremium eingesetzt. Es solle nun untersucht werden, ob in der Abwägung nach Abschluss des ersten Prüfverfahrens die richtige Entscheidung getroffen worden sei.

Im Herbst 2019 hatte sich die Universität gegen eine Aberkennung des Doktortitels entschieden, Giffey aber eine Rüge erteilt. Nach mehreren kritischen Gutachten zu ihrem Vorgehen kündigte die Hochschule Anfang November dann aber an, neu über die Plagiatsvorwürfe zu entscheiden.

Am Freitag erklärte Giffey, ihren Doktortitel nicht mehr führen zu wollen. Ihre Arbeit als Bundesministerin wolle sie fortsetzen und wie angekündigt Ende November beim Berliner SPD-Parteitag für den Landesvorsitz kandidieren. Die Universität äußerte sich nach dem Schritt zunächst nicht zu ihrem weiteren Vorgehen.

Am Mittwoch bekräftigte die Universität, aus den vorliegenden Gutachten ergebe sich, „dass eine Rüge allenfalls in einem minderschweren Fall zulässig sei“. Ein solcher sei jedoch „im Schlussbericht des Prüfungsgremiums für die Dissertation nicht dargetan worden“. Daher sei „eine erneute Prüfung durchzuführen“. Auf deren Grundlage könne eine neue Entscheidung gefällt werden.

Die Freie Universität will die erneute Prüfung von Giffeys Doktorarbeit „möglichst in der Vorlesungszeit des Wintersemesters“ abschließen – das wäre bis zum Februar 2021.

Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf FU-Präsident Günter M. Ziegler berichtet, soll der neuen Prüfungskommission kein Mitglied der alten Kommission angehören und Giffeys Doktormutter Tanja Börzel nicht an der Auswahl der Kommission beteiligt sein. Die neue Kommission soll zudem die ganze Arbeit Giffeys prüfen und nicht nur die Stellen, die von der Plagiatsplattform VroniPlag Wiki bemängelt wurden. Ziegler sagte laut dem Bericht, die FU wolle die Namen der neuen Mitglieder, zu denen auch Externe gehören sollen, öffentlich machen.