Berlin - Nachdem der US-Pharmahersteller Johnson & Johnson die erste Charge seines Corona-Impfstoffs mit Verzögerung auslieferte, wird der Konzern seine zweite Lieferung an Deutschland kürzen. Das meldet der Spiegel unter Berufung auf das Bundesgesundheitsministerium. In einer Antwort des Hauses von Minister Jens Spahn auf eine Anfrage des Nachrichtenmagazins heiße es: „Die zweite Lieferung wird nicht den ursprünglich prognostizierten Umfang haben.“ Eigentlich hätten in diesen Tagen 440.000 Dosen von Johnson & Johnson eintreffen sollen.

Nach Spiegel-Angaben ist unklar, wie viele Dosen tatsächlich Deutschland erreichen werden. „Wir kommunizieren Liefermengen nicht öffentlich“, zitiert der Online-Auftritt des Nachrichtenmagazins aus der Antwort des Ministeriums. Dies sei so mit der EU-Kommission vereinbart worden.

Zuvor hatte bereits der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca die Belieferung der EU mit seinem Impfstoff gekürzt. Deshalb hat die EU-Kommission das Unternehmen nun verklagt.

Offenbar gibt es noch eine weitere Parallele zum Fall Johnson & Johnson: Während Großbritannien von den angeblichen Lieferengpässen Astrazenecas kaum betroffen ist, werden die den USA zugesagten Liefermengen des Vakzins von Johnson & Johnson wohl nicht gekürzt: Laut CNN stehen dort mehr als neun Millionen Dosen bereit, mit denen die Impfkampagne wieder aufgenommen werden soll, nachdem sie wegen des Auftretens seltener Fälle von Sinusvenenthrombosen gestoppt worden war.

Nach Angaben des Spiegel wird der in den USA verabreichte Impfstoff von Johnson & Johnson „zum Großteil oder sogar komplett in der EU produziert“. Und zwar von einem Unternehmen namens Janssen im niederländischen Leiden, das sich zu diesem Sachverhalt nicht habe äußern wollen.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson sollte ursprünglich zu einer der tragenden Säulen der deutschen Impfkampagne werden. Er muss nur einmal gespritzt werden und lässt sich bei Kühlschranktemperatur lange lagern. Insgesamt sollten bis Ende Juni zehn Millionen Dosen Deutschland erreichen. Laut Spiegel geht das Bundesgesundheitsministerium nach wie vor davon aus, dass Johnson & Johnson trotz der nun erfolgten Kürzung die vereinbarte Menge liefern wird: „Die Impfdosen werden ab Mai in den Arztpraxen verimpft werden“, heiße es in der Antwort an das Nachrichtenmagazin.