München - Einem Medienbericht zufolge benutzen bayerische Behörden für Camping-Urlauber gedachte Kühlboxen, um den Corona-Impfstoff zu transportieren. Laut dem Spiegel „sind die von Bayern genutzten Boxen tatsächlich nicht geeignet für den Transport von Arzneimitteln“. Zuvor hatte das Magazin Focus darüber berichtet. Ende Dezember waren für mehrere Landkreise in Oberfranken bestimmte Dosen für unbrauchbar befunden worden, nachdem es Zweifel an der Einhaltung der Kühlkette gegeben hatte. 

1000 Dosen Impfstoff würden im Depot bleiben, bestätigte damals ein Sprecher des Landratsamts Lichtenfels der Deutschen Presse-Agentur. Dies hätten sämtliche von der Panne in der Kühlkette betroffenen Landräte in Oberfranken gemeinsam beschlossen. Der Vorsitzende des Bezirksverbandes Oberfranken des Bayerischen Landkreistages, Christian Meißner, hatte erklärt: Zwar sei der Impfstoff von fachlicher Seite als einwandfrei eingestuft worden. Jedoch bestehe ein Restzweifel, weswegen die Charge vom Sonntag nicht verwendet werde. Der Impfstoff muss bei Temperaturen um minus 70 Grad tiefgekühlt werden.

Unklar, wie viele Boxen genutzt werden

Laut Spiegel erklären die Behörden „die ersten Pannen damit, die Messgeräte seien an der falschen Stelle angebracht worden“. Nach einem zweiten Vorfall, in dessen Folge Hunderte Impfdosen hätten vernichtet werden müssen, habe es auf Anfrage geheißen: „Die Ursache liegt wahrscheinlich in individuellen Umständen des Transports.“ Auf eine dritte Anfrage hin gab das Landesgesundheitsministerium dem Bericht zufolge an, das infrage stehende Modell Dometic Coolfreeze CF 11 werde „im medizinischen Fachhandel explizit für den Transport kühlpflichtiger Arzneimittel ausgewiesen“. Der Hersteller der Box teilte dem Magazin mit: „Dieses Produkt ist nicht für den Transport von Arzneimitteln kreiert worden.“

„Bayerns Gesundheitsministerium hat vier Anfragen des Spiegel nicht beantwortet, wie viele dieser Boxen bayernweit zum Einsatz kommen“, heißt es in dem Bericht weiter. Zudem wurden keine Gründe für die Benutzung der von Experten als ungeeignet betrachteten Boxen genannt, hieß es. Das bayerische Gesundheitsministerium teilte demnach nur allgemein mit, es „erfolgte eine fachliche Prüfung durch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittel“. Das Magazin zitiert einen Experten mit den Worten: „Entweder haben die Entscheider keine Ahnung von der Materie, oder sie wollten Geld sparen. Oder es ist eine Kombination aus beidem.“