Berlin - Angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus wollen die Bundesländer einem Bericht zufolge strengere Einreisevorschriften durchsetzen. Kritisiert werden in einem Beschlussentwurf für die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) am Mittwoch insbesondere die Regeln für Einreisen aus einfachen Risikogebieten, wie das Magazin Business Insider am Dienstag berichtete.

Wer aus einem einfachen Risikogebiet einreist, kann die häusliche Quarantäne umgehen, indem er sich unmittelbar auf Corona testen lässt und das negative Testergebnis über ein zentrales Portal meldet. „Die umfassende Freitestmöglichkeit für alle Einreisen aus einfachen Risikogebieten führt zu einer lückenhaften Früherkennung möglicher Infektionen“, heißt es dem Bericht zufolge dazu in dem Papier.

„Zwei-Test-Strategie“

„Es ist angesichts der neuen Virusvarianten notwendig, vor der anstehenden Reisesaison über eine einfache, aber effiziente Absicherung von Einschleppungen zur Verhinderung einer vierten Welle zu diskutieren und geeignete Maßnahmen zu ergreifen“, zitierte Business Insider weiter aus dem Entwurf. Eine Option sei eine generelle „Zwei-Test-Strategie“. Dann müsste sich jeder bei der Einreise testen lassen und fünf Tage später erneut.

Verpflichtend solle auch werden, vorsorglich eine Kontaktliste für die Zeit bis zum zweiten Test zu führen. Diese müsse „im Fall des positiven Testergebnisses dem Gesundheitsamt übermittelt werden“.

Delta-Variante ist um 60 Prozent ansteckender als die Alpha-Variante

Zur Begründung der Regelverschärfung heißt es dem Bericht zufolge: „Die GMK ist angesichts der lückenhaften Einreisebestimmungen besorgt, dass es im Rahmen der bevorstehenden Urlaubs- und Reisesaison zu einem Einschleppen von Virusvarianten (insbesondere Delta-Variante) kommt, deren Ausbreitung durch das bis Herbst erreichbare Impfniveau nicht hinreichend kompensiert werden und aufgrund der insbesondere bei der Delta-Variante erhöhten Anzahl schwerer Krankheitsverläufe das Gesundheitssystem überlasten kann.“

Die Delta-Variante, die zuerst in Indien nachgewiesen worden war, breitet sich derzeit insbesondere in Großbritannien stark aus. Sie könnte nach Einschätzung der britischen Gesundheitsbehörden um 60 Prozent ansteckender sein als die bisher in Großbritannien vorherrschende Alpha-Variante.

Ein weiteres Thema der Gesundheitsminister von Bund und Ländern bei ihren Gesprächen am Mittwoch ist Business Insider zufolge der Umgang mit Corona-Langzeitfolgen. Der Beschlussentwurf sieht demnach einen Nationalen Aktionsplan „Post-Covid-Syndrom“ vor. Unter anderem sollten spezielle Behandlungsstrukturen für Long-Covid-Betroffene aufgebaut werden.