Satellitenbilder zeigten wohl „dunkle Schiffe“ an Nord-Stream-Lecks

Nach Explosionen in den Gaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 steht der Verdacht der Sabotage im Raum. Satellitenaufnahmen erhärten nun die Annahme.

Blasen und Strudel auf der Wasseroberfläche sind über einem Gasleck in der Ostsee zu sehen.
Blasen und Strudel auf der Wasseroberfläche sind über einem Gasleck in der Ostsee zu sehen.AP/Armed Forces of Denmark

Kurze Zeit vor dem mutmaßlichen Sabotageakt im September hat ein amerikanisches Satellitenunternehmen offenbar zwei Schiffe mit ausgeschaltetem Peilsender in der Nähe der Pipelines Nord Stream 1 und 2 entdeckt. Was könnte es damit auf sich haben?

Die US-Zeitschrift Wired veröffentlichte unter Berufung auf Satellitendaten des Unternehmens SpaceKnow einen Bericht über die rätselhaften Schiffe. Demnach fuhren die beiden „dunklen Schiffe“, die jeweils circa 95 bis 130 Meter lang waren, in dem näheren Umkreis der Leckstellen. Des Weiteren versuchten die Schiffe offenbar aktiv, Standortinformationen zu verschleiern, erklärt der Geschäftsführer von SpaceKnow, Jerry Javornicky, dem Magazin.

Das Unternehmen habe die Erkenntnisse bereits der Nato mitgeteilt, die zu dem Vorfall ermittelt. Eine Sprecherin der Nato bestätigte gegenüber Wired, dass die Nato den Vorfall für einen „vorsätzlichen und unverantwortlichen Sabotageakt“ halte und ihre Präsenz in der Ost- und Nordsee verstärkt habe.

Schiffe verstießen wohl gegen Gesetze

Nach internationalem Seerecht sind größere Schiffe verpflichtet, Systeme zu nutzen, welche die Identifikation ermöglichen. Ein eingeschaltetes System sendet den Namen des Schiffes, den Standort und weitere wichtige Informationen. Laut dem Bericht ist es relativ selten, dass Schiffe diese Transponder ausschalten. Eine Verschleierung der Daten sei verdächtig, illegale Aktivitäten wären möglich. Dazu erklärt Otto Tabuns, Direktor der NGO Baltic Security Foundation: „Es wäre nicht üblich, es sei denn, die Schiffe haben eine geheime militärische Mission oder verfolgen geheime Ziele, denn die Ostsee ist eines der am stärksten befahrenen Meere der Welt, was den Handelsverkehr angeht.“ Jedoch könnten die Systeme wie jedes technische Gerät auch gelegentlich ausfallen, heißt es weiter.

Jerry Javornicky erklärt zudem, das Unternehmen sei nicht damit befasst, herauszufinden, was passiert ist oder wer dafür verantwortlich ist, sondern habe die Daten lediglich den Behörden zur Verfügung gestellt. Diese würden den Vorfall nun weiter untersuchen.

Explosionen an Nord-Stream-Pipeline: Ermittlungen ziehen sich

Nach den Explosionen Ende September waren schwere Beschädigungen und mehrere Unterwasser-Lecks in den beiden Röhren von Nord Stream 1 und einer Röhre von Nord Stream 2 in der Ostsee entdeckt worden. Bisherigen Erkenntnissen zufolge hatten sich mindestens zwei Detonationen ereignet, die zu vier Lecks führten. Die Lecks befinden sich in der Nähe der Ostseeinsel Bornholm teils in dänischen, teils in schwedischen Gewässern. Tagelang traten enorme Gasmengen aus. Etwa 400.000 Tonnen Methan gelangten in die Atmosphäre. Die Ermittlungen  internationaler Behörden dauern an.

Spekulationen über eine russische Beteiligung hatte der Kreml zurückgewiesen. Das Ausmaß der Zerstörung lasse zwar auf einen staatlichen Sabotageakt schließen. Es sei allerdings absurd anzunehmen, dass Russland dahinterstecke. (mit dpa)