Deutschland schickt Leopard-Panzer in Ukraine, USA prüfen Lieferung von Abrams

Aus Koalitionskreisen heißt es, die Bundesregierung habe entschieden, Leopard-Kampfpanzer an die Ukraine zu liefern. Und auch die USA prüft wohl die Lieferung von Kampfpanzern.

Leopard-Panzer
Leopard-Panzerdpa/Michael Kappeler

Deutschland wird einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel zufolge Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 an die Ukraine liefern. Demnach soll es um mindestens eine Kompanie Leopard 2A6 gehen. Auch die Deutsche Presse-Agentur berichtete unter Berufung auf Koalitionskreisen darüber.

Laut Spiegel sollen die deutschen Panzer zunächst aus Bundeswehr-Beständen kommen. Mittel- und langfristig könnten weitere Kampfpanzer aus Industriebeständen hinzukommen, die aber zunächst hergerichtet werden müssten. Zu einer Kompanie gehören demnach normalerweise 14 Panzer.

Deutschland erlaubt zudem nach Angaben aus Koalitionskreisen anderen Staaten die Weitergabe von Leopard-Kampfpanzern aus deutscher Produktion an die Ukraine. Zuvor hatte bereits das US-Medium Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, dass Deutschland Polen am Mittwoch die Lieferung von Leopard-2-Panzern an die Ukraine genehmigen will. „Berlin will in der Angelegenheit schnell eine Entscheidung treffen, um die wachsende Frustration unter den Verbündeten beizulegen“, zitierte Bloomberg die Quellen.

Eine Bestätigung der Bundesregierung gab es am Dienstagabend noch nicht.

Strack-Zimmermann: „Erlösende Nachricht für die Ukraine“

Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, die Entscheidung für die Freigabe und Lieferung des Leopard 2 sei „zäh, aber unausweichlich“ gewesen. „Sie ist eine erlösende Nachricht für die geschundene und tapfere Ukraine.“ Hofreiter und Strack-Zimmermann zählen seit Monaten zu den prominentesten Befürwortern von Waffenlieferungen an die Ukraine.

Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag, Christian Dürr, sagte dem Nachrichtenportal t-online, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) habe nun eine Entscheidung getroffen, „die niemand auf die leichte Schulter genommen hat“. Dass Deutschland die Ukraine mit dem Leopard-Panzer unterstützen werde, sei „ein starkes Zeichen der Solidarität“. „Wir müssen uns immer darüber im Klaren sein, dass die Ukraine nicht nur sich selbst verteidigt, sondern auch die Werte und Überzeugungen, die wir teilen“, sagte Dürr.

Die Abgeordnete der Linkspartei, Sevim Dagdelen, lehnt die Entsendung dagegen ab. Sie sagte der Berliner Zeitung: „Die USA schicken Deutschland wie einen Vasallen ins Feuer. Die Entscheidung der Bundesregierung auf Geheiß Washingtons  bereitet Deutschland den Weg in den Krieg. Es ist fatal, dass Kanzler Scholz die einst von ihm selbst gezoge rote Linie der Kampfpanzer-Lieferungen überschritten hat. Es gilt jetzt den Kriegstreibern in den Arm zu fallen, die die größte Sicherheitsbedrohung für die deutsche Bevölkerung seit 1945 heraufbeschwören.“

Melnyk: Nun bitte F-16, F-35, Eurofighter und Tornados liefern

Der frühere ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, begrüßte die geplante Lieferung deutscher Leopard-Kampfpanzer an sein Land – und stellte sogleich weitergehende Forderungen nach modernen Kampfjets. „Halleluja! Jesus Christus!“, schrieb er am Dienstag auf Twitter, „Und nun, liebe Verbündete, lasst uns eine starke Kampfjet-Koalition für die Ukraine auf die Beine stellen, mit F-16 und F-35, Eurofightern und Tornados, Rafale und Gripen-Jets - und allem, was ihr der Ukraine liefern könnt.“ Melnyk ist inzwischen stellvertretender Außenminister seines Landes, das vor etwa elf Monaten von Russland überfallen wurde.

Bundeswehr-Reservisten: Bei Leopard-Lieferung ist Eile geboten

Die Reservisten der Bundeswehr begrüßten die geplante Lieferung von Leopard-2-Kampfpanzern an die Ukraine - und mahnten zur Eile. „Es ist gut so, dass Deutschland nun selbst Leopard-2-Panzer in die Ukraine liefert und auch die Lieferung durch andere Staaten erlaubt. Nichts anderes war zu erwarten“, sagte Verbandspräsident Patrick Sensburg der Rheinischen Post. „Sorge bereitet mir aber, dass die Auslieferungen mehrere Monate dauern sollen. Die Ukraine muss aber sehr schnell unterstützt werden, da Russland anscheinend mit einer Offensive im Februar den Lieferungen zuvorkommen will.“

Einem weiteren Medienbericht zufolge soll die US-Regierung nun doch die Lieferung von Abrams-Kampfpanzern in die Ukraine in Betracht ziehen. Eine Ankündigung über die Zusage „einer größeren Anzahl“ der amerikanischen M1 Abrams zur Abwehr des russischen Angriffskriegs könnte noch diese Woche kommen, berichtet das Wall Street Journal. Biden soll dem deutschen Kanzler Olaf Scholz (SPD) in einem Telefonat vergangene Woche zugesagt haben, eine solche Lieferung prüfen zu lassen.

Pentagon bestätigt Berichte über Lieferung von Abrams-Panzern nicht

Die US-Regierung ließ am Dienstag die Berichte unbestätigt. „Ich habe zu diesem Zeitpunkt nichts anzukündigen“, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Pat Ryder, in Washington. Ryder betonte erneut, dass die M1 Abrams „komplex“ seien. Deren Instandhaltung sei eine Herausforderung. „Das war gestern so, das ist heute so, und das wird auch in Zukunft so sein.“ Bei der militärischen Ausrüstung zur Abwehr des russischen Angriffskriegs müsse sichergestellt sein, dass das ukrainische Militär in der Lage sei, diese zu warten, instandzuhalten und damit zu trainieren.

Zuletzt hatte es Berichte gegeben, wonach Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die Lieferung der Abrams-Panzer dafür zur Bedingung gemacht habe. Berlin und Washington hatten diese Berichte zurückgewiesen.

Pentagon: Deutschland trifft souveräne Entscheidungen

Das Pentagon betonte nun erneut, dass Deutschland souveräne Entscheidungen treffe und die USA diese respektierten. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karin Jean-Pierre, äußerte sich ähnlich und sagte: „Wir wissen alles zu schätzen, was unsere Alliierten und Partner tun, um sicherzustellen, dass die Ukraine sich verteidigen kann.“ Auch sie betonte, es gebe momentan keine neuen Ankündigungen mit Blick auf militärische Unterstützung für die Ukraine.

Die USA hatten bisher gesagt, sie hielte die Bereitstellung des Abrams-Panzers aus praktischen Gründen nicht für sinnvoll. Die US-Panzer müssten über den Atlantik transportiert werden, die Instandhaltung sei aufwendiger, und sie verbrauchten zu viel Treibstoff, hieß es bisher aus dem Pentagon. Die Panzer schlucken außerdem das Flugzeugbenzin Kerosin, nicht wie der Leopard und viele Gefährte der Ukrainer Diesel. „Es macht einfach keinen Sinn, den Ukrainern dieses Mittel zum jetzigen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen“, hatte Pentagon-Sprecherin Sabrina Singh noch vor einigen Tagen gesagt.