Wolfsburg - Die Konzernspitze von Volkswagen ist Spekulationen über die mögliche Streichung Zehntausender Jobs entgegengetreten. „Ein Abbau von 30.000 Stellen ist kein Thema“, hieß es am Mittwochnachmittag aus dem Umfeld von Vorstandschef Herbert Diess nach Berichten, wonach erhebliche Kürzungen etwa am Stammsitz in Wolfsburg bevorstehen könnten. Dazu gebe es keine konkreten Pläne.

Diess soll nach Informationen aus Unternehmenskreisen bei einer Aufsichtsratssitzung im September über die Zahl 30.000 gesprochen haben. Allerdings sei es dabei nicht um ein etwaiges, unmittelbares Szenario drohender Arbeitsplatzverluste gegangen, betonte VW nun.

Europas größter Autohersteller hat an seinem Hauptsitz zurzeit einen erheblichen Leerlauf. Mehrfach musste Kurzarbeit für Zehntausende Beschäftigte verlängert werden, weil hier – wie bei anderen Anbietern – Halbleiter fehlen. Auch unabhängig von den akuten Engpässen gibt es in Teilen der Belegschaft Sorgen um eine ausreichende Werkbelegung in den kommenden Jahren. Der Betriebsrat forderte unter anderem schon, neben dem ab 2025/2026 geplanten Projekt „Trinity“ mindestens ein weiteres Elektromodell in der Konzernzentrale anzusiedeln.

Aufsichtsräte irritiert von Plan des VW-Chefs

„Die schwierige Lage im Werk Wolfsburg bildet einen klaren Schwerpunkt der laufenden Beratungen für die diesjährige Planungsrunde“, sagte Betriebsratschefin Daniela Cavallo kürzlich. Bis Mitte November sollen konkrete Entscheidungen zu Modellen und Standorten im globalen VW-Produktionsnetz fallen. Beim jüngsten Treffen der Aufseher soll es laut dem Bericht erneut zu Irritationen zwischen Diess und Mitgliedern des Gremiums gekommen sein.

Grundsätzlich haben Belegschaftsvertretung und Firmenleitung in dem Punkt dasselbe Ziel: Möglichst bald sollen weitere E-Modelle folgen, auch angesichts der steigenden Konkurrenz durch den US-Rivalen Tesla mit dessen neuem Werk in Grünheide bei Berlin. Einen offenen Konflikt wie Mitte 2020, als Diess heftig mit dem damaligen Betriebsratschef Bernd Osterloh aneinandergeraten war, habe es aber zuletzt nicht gegeben, hieß es aus dem Umfeld mehrerer Beteiligter.

Es sei nötig, Themen wie die Kostenlage und Auslastung von Standorten intensiv zu diskutieren, so der Automobilkonzern: „Es steht außer Frage, dass wir uns angesichts der neuen Marktteilnehmer mit der Wettbewerbsfähigkeit unseres Werks in Wolfsburg befassen müssen.“ Es geht dabei vor allem um den US-Rivalen Tesla und dessen neues deutsches Werk bei Berlin.

VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo wandte sich im Intranet an die Belegschaft: „Die Schlagzeilen vom heutigen Vormittag haben bei vielen von euch zu Recht Fragen und zum Teil leider auch Sorgen ausgelöst.“ Ein Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen wäre „absurd“, schrieb sie. Man habe sich auch eine klare Stellungnahme der Unternehmensseite zu diesem Thema gewünscht.