Bombe auf Krim-Brücke explodiert: Selenskyj lässt Beteiligung offen

Die Krim-Brücke, die die annektierte ukrainische Halbinsel mit dem russischen Festland verbindet, geriet in Brand. Es gibt mehrere Tote und Jubel auf ukrainischer Seite.

Die Krim-Brücke, die die annektierte <a href="https://prod.berliner-zeitung.de/topics/ukraine">ukrainische</a> Halbinsel mit dem russischen Festland verbindet, ist teilweise eingestürzt.
Die Krim-Brücke, die die annektierte ukrainische Halbinsel mit dem russischen Festland verbindet, ist teilweise eingestürzt.Imago/Vladimir Mordunov

Nach der Explosion einer Lkw-Bombe auf der Brücke zur annektierten ukrainischen Halbinsel Krim hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine Beteiligung seiner Untergebenen an der Explosion offen gelassen. In der Ukraine sei es großteils sonnig und warm gewesen, „auf der Krim leider bewölkt, obwohl auch dort warm“, sagte er in seiner täglichen Videoansprache in Anspielung auf die morgendliche Detonation an der Brücke. Näher ging er auf den Vorfall nicht ein.

Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak hatte zuvor erklärt, die Spur der Ermittlungen führe nach Ansicht der Ukraine nach Russland. „Es ist erwähnenswert, dass der explodierte Lastwagen allen Anzeichen nach von der russischen Seite auf die Brücke fuhr“, so Podoljak. „Die Antworten sollten also in Russland gesucht werden“, fügte Podoljak hinzu. „Das alles weist eindeutig auf eine Spur nach Russland hin.“ Der Lastwagen-Fahrer sei zudem ein russisches Staatsbürger.

Putin verschärft Überwachung der Krim-Brücke

Kremlchef Wladimir Putin ließ am Abend mitteilen, dass er trotz der schweren Explosion in den nächsten Tagen nicht zu den Russen sprechen werde. Ein solcher Auftritt sei nicht geplant, hieß es. Der russische Präsident wies per Dekret den Geheimdienst FSB an, die Kontrolle über beschädigte Krim-Brücke zu verschärfen.

„Dem FSB werden die Vollmachten übertragen zur Organisation und Koordination von Schutzmaßnahmen für den Transportweg über die Meerenge von Kertsch, für die Strombrücke der Russischen Föderation auf die Halbinsel Krim und die Gaspipeline vom Gebiet Krasnodar Krim“, heißt es in dem am Samstag veröffentlichten Dekret. Es ist die erste Maßnahme des Kremls infolge der Explosion am Morgen, die mutmaßlich durch einen Anschlag herbeigeführt wurde.

Auf Twitter waren am Samstag entsprechende Fotos und Videos der brennenden Brücke zu sehen. Nachrichtenagenturen berichten von mehreren Explosionen. Die Fahrbahn auf dem Straßenteil ist zwar massiv beschädigt worden, allerdings konnte der Verkehr im Laufe des Samstags trotz der Zerstörung wieder anlaufen. Die Brücke sei ab sofort „offen für Autos und Busse“, teilte der Verwaltungschef der von Russland annektierten Halbinsel Krim, Sergej Aksjonow, im Online-Dienst Telegram mit.

Bei der Explosion sind nach russischen Angaben mindestens drei Menschen gestorben. Das nationale Ermittlungskomitee teilte mit, dass die Leichen aus dem Wasser gezogen worden seien. Es handele sich um vorläufige Angaben, hieß es. Die Menschen sollen in Fahrzeugen gesessen haben, als am Morgen auf der Autostrecke der Krim-Brücke ein vom Festland kommender Lastwagen explodiert sei. Ermittler gehen davon aus, dass sich auf oder unter dem Fahrzeug eine Bombe befand. 

Explosion auf Krim-Brücke: Russen identifizieren Lkw-Fahrer

Die sogenannte Kertsch-Brücke wurde nach Russlands Annexion der Krim gebaut und 2018 fertiggestellt. Russlands nationales Ermittlungskomitee teilte mit, dass nach vorläufigen Angaben am Samstagmorgen um 6:07 Uhr auf der Autostrecke der Krim-Brücke ein Lastwagen explodiert sei. Das Fahrzeug kam demnach vom russischen Festland und fuhr in Richtung des Küstenorts Kertsch auf der Krim.  

Dadurch seien sieben Tanks eines Güterzuges auf dem Weg zur Halbinsel Krim in Brand geraten. An der Straßenlinie seien Schäden entstanden, der Verkehr ist nach Angaben der Behörden unterbrochen. Eine Fährverbindung soll eingerichtet werden. Russlands Präsident Wladimir Putin hat eine Kommission eingerichtet, um den Vorfall zu untersuchen. 

Bei dem Fahrer des explodierten Lkw handele sich um einen Einwohner der südlichen russischen Region Krasnodar, erklärten russische Ermittler am Samstag, ohne den Namen des Mannes zu nennen. Demnach wurden an seinem Wohnsitz Ermittlungen eingeleitet, die dokumentierte Fahrtroute des Lastwagens werde überprüft.

Krim-Brücke zerstört: Jubel bei der Ukraine

In der Ukraine wurden die Bilder der zerstörten Brücke mit Jubel aufgenommen. „Krim. Die Brücke. Der Anfang“, schrieb der Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, Mychajlo Podoljak, am Samstag bei Twitter. „Alles Illegale muss zerstört werden, alles Gestohlene muss an die Ukraine zurück.“ Podoljak sagte aber nicht explizit, dass die Ukraine verantwortlich sei für die Explosionen und den Brand.

Russland warnte davor, die Krim-Brücke unter Beschuss zu nehmen

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine Ende Februar kam es mehrfach zu Explosionen auf der Krim mit schweren Schäden, darunter auf Militärstützpunkten. Es gab auch in der Hauptstadt Kiew immer wieder Drohungen, die von Kremlchef Wladimir Putin eingeweihte Brücke zwischen der Halbinsel und dem russischen Festland unter Beschuss zu nehmen. Zuletzt kam es in der Region Kertsch, die auf der Krim direkt an die Brücke grenzt, immer wieder zu Zwischenfällen mit Drohnen, die explodierten.

Russland hatte eindringlich davor gewarnt, die Brücke – ein zentrales strategisches Bauwerk – unter Beschuss zu nehmen, und für den Fall auch damit gedroht, Kommandozentralen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ins Visier zu nehmen. Die ukrainische Führung hatte mehrfach schwere Waffen mit großen Reichweiten aus dem Westen gefordert. Damit sollte dann auch die Brücke zerstört werden, wie es in Kiew hieß.