Washington arbeitet US-Medienberichten zufolge mit Polen an einer Vereinbarung über die Lieferung von Kampfflugzeugen aus der Sowjetzeit an die Ukraine. Im Gegenzug könnten die USA Polen mit F-16-Kampfjets aus US-Produktion beliefern, berichteten mehrere US-Medien am Samstag unter Berufung auf Regierungsvertreter in Washington. „Wir arbeiten mit den Polen in dieser Frage zusammen und beraten uns mit den übrigen Nato-Verbündeten“, zitierten das Wall Street Journal und der Fernsehsender NBC einen Vertreter des Weißen Hauses.

Polen hat wiederholt den Berichten widersprochen: „Polen wird seine Kampfjets nicht in die Ukraine schicken und auch nicht erlauben, seine Flughäfen zu nutzen. Wir helfen ganz erheblich in vielen anderen Bereichen“, erklärte die Regierung in Warschau am Sonntag bei Twitter. Sie verwies dabei auf eine Erklärung des polnischen Generalstabs vom Donnerstag. Darin hieß es, alle polnischen Kampfflugzeuge vom Typ MiG-29 blieben auf ihren Heimatbasen, sie seien außerdem mit dem rot-weißen Hoheitszeichen der polnischen Luftwaffe markiert.

Kiew hatte am Samstag den Westen aufgefordert, die Militärhilfe für das belagerte Land zu verstärken. Präsident Wolodymyr Selenskyj bat seine osteuropäischen Nachbarn um die Bereitstellung von Flugzeugen aus russischer Produktion, für die seine Piloten ausgebildet sind.

Der ukrainische Staatschef hatte am Samstag in einer Videokonferenz mit Vertretern des US-Kongresses um weitere Finanzhilfen gebeten. Nachdem der Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, den ukrainischen Präsidenten gefragt hatte, was er am dringendsten benötige, habe Selenskyj um Kampfjets gebeten, berichteten zwei Teilnehmer dem Wall Street Journal. Laut dem Blatt sieht sich die US-Regierung jedoch vor einer Reihe praktischer Herausforderungen, darunter auch das Problem, wie die Kampfflugzeuge in die Ukraine gelangen sollen.

Der republikanische Senator Steve Daines sagte nach der Videokonferenz im Sender Fox News, die Parlamentarier hätten dem ukrainischen Staatschef die Freigabe der vom Weißen Haus beantragten zehn Milliarden Dollar (neun Milliarden Euro) versprochen. Selenskyj unterstrich demnach auch seine Forderung nach schärferen Sanktionen gegen Russland, vor allem im Öl- und Gassektor. Dies lehnt das Weiße Haus bislang ab.