Der Berliner Senat will die 2G-Regel nicht nur für den Einzelhandel, sondern auch für Museen, Galerien und Gedenkstätten aufheben. Das kündigte Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses an. Das solle auch für den Zoologischen Garten einschließlich des Aquariums, den Tierpark, den Botanischen Garten und für touristische Angebote gelten. Über den Änderungsentwurf soll bei der Senatssitzung am Dienstag abgestimmt werden.

Bund und Länder wollen in einem Drei-Stufen-Plan tiefgreifende Corona-Maßnahmen bis zum 20. März aufheben. Kneipen, Bars und Hotels sollen ab dem 4. März unter 3G-Bedingungen öffnen. Club und Diskotheken sollen ebenfalls ab 4. März unter 2G-plus-Bedingungen wieder in Betrieb gehen, heißt in einem Beschlussvorschlag. Über den Vorstoß des Bundes wird es auch in der Senatssitzung am Dienstag im Roten Rathaus gehen, wie der Berliner Zeitung aus Regierungskreisen bestätigt wird. Da weiterreichende Lockerungen für die Hauptstadt besprochen werden, werden an der Sitzung einigen Experten teilnehmen –unter ihnen Christian Drosten, der Chef der Virologie an der Berliner Charité.

Gleichzeit hat Senatorin Ulrike Gote vor schnellen und  weitreichenden Lockerungen der Corona-Maßnahmen gewarnt. „Ich bin auch immer noch beim Team Vorsicht, ganz ausdrücklich. Was jetzt gesagt wird, wir machen am 19. März alles auf, das geht mir ehrlich gesagt zu schnell“ sagte die Grünen-Politikerin am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. „Wenn wir uns anschauen, wie das in den anderen Ländern sich entwickelt, dann sind das keine guten Beobachtungen.“ Gote sagte, in Dänemark und Israel seien die Infektionszahlen nach den Lockerungen wieder sehr gestiegen, vor allem aber auch die Belastung in den Krankenhäusern.

„Ja, es ist richtig, es wird keinen Zusammenbruch und keine Überlastung des Systems geben, so wie wir sie erwartet haben, als wir noch nicht wussten, wie stark die Omikron-Welle kommt“, sagte Gote. „Aber die Belastung ist sehr hoch, auch hier in Berlin.“ In der Hauptstadt lag die Zahl der ins Krankenhaus eingewiesenen Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen am Montag bei 25,9. Die Warnampel des Berliner Senats steht damit weiterhin auf Rot.

Gote wies darauf hin, dass nach wie vor auch viele Operationen verschoben werden müssten. „Wir sehen jetzt schon, dass es für Krebspatientinnen und -patienten negative Auswirkungen hat, dass aber auch Menschen, die dringend eine Schmerzbehandlung brauchen würden, nicht in die Krankenhäuser kommen, dass Menschen mit Herzinfarkt oder Schlaganfall zu spät gesehen werden.“

Berlins Gesundheitssenatorin: Kliniken noch nicht entlastet

Das alles sei nicht zu unterschätzen. „Und deshalb sage ich: Wir können über einiges nachdenken, aber immer unter dem Prädiktum, wir müssen die vulnerablen Gruppen schützen. Und wir müssen vorsichtig bleiben“, so die Gesundheitssenatorin. „Wir müssen einfach sicherstellen, dass unser Gesundheitssystem funktioniert“, sagte Gote. „Darauf müssen wir unsere Strategie ausrichten, und deshalb geht mir das auch zu schnell, so lange wir nicht sehen, dass unsere Krankenhäuser wieder stark weniger belastet sind.“

Die Ministerpräsidenten der Länder wollen am Mittwoch mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) über Lockerungen beraten. Dabei gilt als sicher, dass ein Öffnungsplan entworfen wird. Unklar ist, wie schnell Lockerungen kommen und ob das bis 19. März befristete Infektionsschutzgesetz als Grundlage der Maßnahmen vorsorglich verlängert wird.

Senatorin Gote: Berlin hat den Höhepunkt der Omikron-Welle hinter sich

Nach Einschätzung von  Ulrike Gote hat Berlin den Höhepunkt der aktuellen Corona-Welle hinter sich. Nach wie vor seien rund 200 Corona-Patienten auf den Intensivstationen der Berliner Krankenhäuser. Die Hospitalisierungsinzidenz bleibt weithin oben. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen sei aber über das Wochenende wie an den Tagen davor leicht gesunken. „Ich denke, dass wir jetzt schon sehr sicher sagen können, dass wir hier in Berlin über den Scheitel der Omikron-Welle hinaus sind“, sagte Gote. „Dass die Zahlen zuverlässig weiter runtergehen, wahrscheinlich auch recht schnell.“