Berlin/Stuttgart - Die Bedeutung von Frauen für extremistische Bewegungen in Berlin und ganz Deutschland ist lange unterschätzt worden. Neue Erkenntnisse der Behörden weisen darauf hin, dass der Frauenanteil in den linksextremen, rechtsextremen und islamistischen Szenen signifikant ist. Nach Angaben des Berliner Verfassungsschutzes sind Frauen bei den Linken besonders stark vertreten: Etwa 35 Prozent der Linksextremisten in Berlin seien weiblich, sagte Verfassungsschutz-Chef Michael Fischer am Mittwoch in einem Parlamentsausschuss. In der rechtsextremen Szene seien 20 Prozent der Mitglieder Frauen, bei der radikalislamistischen Strömung der Salafisten seien es etwa zehn Prozent.

Studie: Frauen stabilisieren das soziale Gefüge radikaler Gruppen

Eine aktuelle Studie des Landesamts für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg betont, dass Frauen in extremistischen Gruppierungen eine entscheidende Rolle spielen und wichtige Funktionen einnehmen. Dies sei bisher in der Wissenschaft vielfach außen vor geblieben, so Behördenchefin Beate Bube am Mittwoch. In der Studie „In zweiter Reihe, an vorderster Front?“ hatten Expertinnen der Behörde, die Referentinnen Corinna Hillebrand-Brem, Sabine Schupp-Demiriz und Britt Ziolkowski, Frauenbilder und Frauenrollen in rechtsextremen und islamistischen Bewegungen untersucht. Sie kamen zu dem Schluss: „Frauen stabilisieren das soziale Gefüge der Organisationen und helfen, die extremistischen Weltbilder weiterzutragen.“

Expertinnen untersuchten Identitäre Bewegung und Millî Görüş 

Die Autorinnen hatten sich mit der rechtsextremistischen Kleinstpartei Der III. Weg und der ebenfalls als rechtsextrem eingestuften Identitären Bewegung befasst sowie mit der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş und der Terrororganisation Islamischer Staat. Für ihre Arbeit werteten sie den Angaben zufolge Flyer, Videos und offizielle Texte der Organisationen ebenso aus wie Fachliteratur. Im Ergebnis zeigte sich, dass Extremismus nicht als spezifisch männliches Phänomen betrachtet werden kann.