Berlin - Fast jeder fünfte Erstklässler an Berlins Schulen ist vor seiner Einschulung  nicht von einem Arzt untersucht worden. Grund dafür soll Personalnot bei den Gesundheitsämtern sein. Im aktuellen Schuljahr 2021/22 sind 35.660 Kinder in Berlin eingeschult worden, davon wurden aber nur 29.092 vorab untersucht. Fast 6600 Kinder haben demnach keine Einschuluntersuchung erhalten – das entspricht etwa jedem fünften Kind.

Die Daten gehen aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Bildung auf eine Anfrage des Wissenschaftsexperten Adrian Grasse (CDU) hervor, die der Berliner Zeitung vorliegt. Bereits im vergangenen Schuljahr soll ein Drittel der Erstklässler nicht ärztlich untersucht worden sein. Zudem sollen für die Jahrgänge 2020/21 und 2019/20 noch keine vollständigen Untersuchungsergebnisse vorliegen.

Grasse erwartet vom nächsten Senat sorgfältigeres Arbeiten

CDU-Politiker Grasse wirft der Bildungsverwaltung vor, „im Blindflug“ unterwegs zu sein: „Der Senat behauptet, dass die Anzahl der Kinder, die für eine Einschulungsuntersuchung vorgesehen sind, nicht erhoben wird. Dass nicht mal Ergebnisse von 2019 vorliegen, ist nicht nachvollziehbar.“ Er erwarte vom nächsten Senat, dass er sorgfältiger arbeitet und sich für das Wohl der Kinder einsetzt, so Grasse.

Bei den Arztuntersuchungen vor Schulanfang werden Sehen, Hören, Motorik, Zähne, sprachliche Fähigkeiten sowie Größe und Gewicht der Kinder geprüft. Auf dieser Grundlage wird entschieden, ob ein Kind schulreif ist oder noch nicht. Dabei handelt es sich um eine bundesweit obligatorische Untersuchung, deren Ergebnisse auch für Forscher relevant sind.