Berlin - Ein 19 Jahre alter Angeklagter hat gestanden, sich als Polizist ausgegeben und bei Betrugstaten mitgemacht zu haben. Er sei von einem Bekannten angeworben worden und habe mehrmals als vermeintlicher „Kommissar“ an Telefongesprächen mit älteren Menschen mitgewirkt, sagte der Mann zu Beginn der Verhandlung am Donnerstag vor dem Berliner Landgericht. Er habe sich mit den Taten Geld für Drogen und Alkohol verschaffen wollen, um „Party machen zu können“.

Der 19-Jährige soll als Mitglied einer Bande agiert haben, die bundesweit Senioren mit dem sogenannten Falsche-Polizisten-Trick um ihr Vermögen bringen wollte. Mittäter hätten von einem in der Türkei gelegenen Callcenter aus Senioren angerufen und sich dabei als Polizisten oder Staatsanwälte ausgegeben, heißt es in der Anklage. Opfern sei vorgegaukelt worden, sie müssten Bargeld und Schmuck an bestimmten Orten ablegen, weil Einbrüche drohten.

Bei den Taten im Oktober und November 2020 wurde laut Anklage ein Verfahren eingesetzt, das es den Tätern ermöglichte, auf dem Display des angerufenen Telefons die Polizeirufnummer 110 anzeigen zu lassen. Von weiteren Bandenmitgliedern seien die von Opfern an vorgegebenen Orten hinterlegten Wertgegenstände abgeholt worden. Die Beute sei an Hintermänner in der Türkei weitergeleitet worden.

Angeklagter schämt sich – und will sein Leben ändern

Der Angeklagte soll an zwölf Telefongesprächen mitgewirkt und sich als „Kommissar aus der Notrufzentrale“ ausgegeben haben. Weil die Polizei eingeschritten sei und Betroffene rechtzeitig warnen konnte, sei in diesen Fällen keine Beute erlangt worden. In einem Fall habe der 19-Jährige als sogenannter Abholer agiert und 15.000 Euro Bargeld an sich genommen, das zuvor von einem Senior auf Anweisung in einem Abfalleimer deponiert worden war.

Der 19-Jährige wurde kurz nach dem Abholen des Geldes festgenommen und ist seitdem in Haft. Er schäme sich für die Taten, wolle sein Leben ändern und eine Ausbildung beginnen, hieß es in seiner Erklärung. Der Prozess wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, Amtsanmaßung und Verabredung zum gewerbsmäßigen Bandenbetrug wird am 26. November fortgesetzt.