Berliner Polizei erwischt angeklagten Tresorknacker beim Bankeinbruch

Eine Bande hatte es auf Schließfächer voll Geld oder Schmuck abgesehen. Die Polizei ertappte die Täter und stieß auf einen alten Bekannten.

Bei der „Arbeit“: Die Polizei hatte damals Fotos von der Einbrecherbande veröffentlicht.
Bei der „Arbeit“: Die Polizei hatte damals Fotos von der Einbrecherbande veröffentlicht.Polizei

Die fünf Einbrecher tragen schwarze Kleidung und Sturmhauben als Maskierung. Mit langen Eisenstangen brechen sie Schließfächer im Tresorraum einer Berliner Bank auf. Diese Szene aus dem Jahr 2020 zeigen damalige Fahndungsfotos der Polizei. Sie fasste Verdächtige, suchte aber nach weiteren Beweisen. Erbeuteter Schmuck und Bargeld im Wert von fast einer Million Euro sind bis heute verschwunden. Vier Männer sind inzwischen angeklagt. Einen Termin für den Prozess gibt es auch zwei Jahre nach der Tat noch nicht. Diese lange Zeit in Freiheit soll einer der Verdächtigen von damals genutzt haben - für einen weiteren Einbruch in eine Bank vor wenigen Tagen.

Fahnder der Polizei fassten ihn und drei Komplizen im Alter von 30 bis 33 Jahren in der Nacht zu Sonntag kurz vorm Eindringen in einen Tresorraum in Königs Wusterhausen südöstlich von Berlin. Mit einem großen Kernbohrer wollten sie eine Wand des Tresorraums der Bank durchbrechen. Ziel waren erneut Schließfächer. Die Polizei war der Bande aber durch längere Ermittlungen bereits auf der Spur. Als die Einbrecher nachts kamen, würden sie von einem Spezialeinsatzkommando festgenommen.

Für die Ermittler war es ein Wiedersehen mit dem bekannten Verdächtigen von 2020, aber wohl keine große Überraschung: Die Bande soll seit Jahren immer wieder in unterschiedlicher Zusammensetzung Einbrüche in die Tresorräume und Schließfächer von Banken verüben, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Polizeibekannter Einbrecher zieht trotz Anklage weitere Coups durch

Wie kann es aber sein, dass ein Verdächtiger trotz Anklage wegen eines früheren Bankeinbruchs weiterhin durch die Gegend zieht und aufwendig erneute Coups plant und durchführt?

Rückblick: Zunächst ist die Polizei nach dem Einbruch am 21. Oktober 2020 im Stadtteil Frohnau im Norden Berlins schnell erfolgreich. Die Täter flüchten mit einem grauen BMW stadtauswärts. Hinweise von Zeugen führen die Kripo aber noch am selben Tag zu einem großen Gewerbehof, wo nach damaligen Angaben neun Männer gefasst werden. Dieser Ort dürfte „vor und nach der Tat eine bedeutende Rolle gespielt haben“, so die Polizei damals. In einer Wohnung findet die Polizei zahlreiche Beweise. Wenige Tage später entdecken Passanten auf dem Gehweg an dem Gewerbehof einen Autoschlüssel, der zum Tatfahrzeug gehörte.

Bei den Ermittlungen kommt die Polizei aber nur langsam weiter. Fünf Verdächtige aus dem Gewerbehof müssen direkt wieder freigelassen werden, ihnen „konnte keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden“. Auch die anderen Verdächtigen kommen nicht in Untersuchungshaft, weil offenbar nicht genug Beweise vorliegen. Außerdem fehlt von der Beute jede Spur – bis heute.

Der Fall erinnert an den Diebstahl der Goldmünze aus dem Berliner Museum

Es folgt ein weiterer Rückschlag: Das beschlagnahmte Fluchtauto mit vielen Spuren wird auf einem Sicherstellungsgelände der Polizei angezündet. Das passiert in Berlin immer wieder. Täter, die auf freiem Fuß sind, vernichten so DNA-Spuren in den von der Polizei sichergestellten Autos.

Ende März 2021, fünf Monate nach dem Einbruch, versucht die Staatsanwaltschaft, die vier verbliebenen Verdächtigen aus dem Verkehr zu ziehen und sie in Untersuchungshaft zu sperren. Beim Amtsgericht Tiergarten beantragt sie einen Haftbefehl. Der Antrag wird nach Angaben des Gerichts abgelehnt, weil keine Fluchtgefahr gesehen wird. Die Beschwerde dagegen wird vom Landgericht zurückgewiesen. Die Männer bleiben frei – und mindestens einer von ihnen beteiligte sich nun laut Staatsanwaltschaft an dem aktuellen Einbruch.

Der Fall erinnert an den Diebstahl der Goldmünze aus dem Berliner Museum und den Einbruch in das Dresdner Museum mit dem Diamanten-Diebstahl. Mehrere junge Männer wurden wegen der Goldmünze angeklagt und später auch verurteilt. Während der Prozess noch lief, waren sie weiter in Freiheit – und mindestens einer von ihnen soll in dieser Zeit beim Diebstahl der Diamanten aus dem Museum Grünes Gewölbe dabei gewesen sein.