Der Berliner Senat bleibt dabei: Schülerinnen und Schüler müssen Masken tragen, auch im Unterricht. In anderen Bundesländern wie Niedersachsen, Sachsen-Anhalt oder Schleswig-Holstein ist das Ende der Maskenpflicht bereits beschlossen ist oder zumindest geplant. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte teilt dazu mit, dass die Maskenpflicht nach Einschätzung der Ärzte „überholt“ sei und „keinen erkennbaren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie“ leiste. Zudem fordern die Mediziner in einem Appell ein Ende der anlasslosen Massentests in den Schulen. Gleiches sagt auch der Virologe Klaus Stöhr dem Nachrichtenportal Nordbayern.

Stöhr: „Wer glaubt, die natürliche Infektion bei Kindern verhindern zu können, hat den Sinn für die Realität verloren.“ Auch die Maskenpflicht werde daran nichts ändern. Stöhr weiter: „Durch das zeitliche Verschieben nimmt man nur den zusätzlichen Druck der Kinder in Kauf.“ Das „Endergebnis der Infektionen, der schweren Verläufe und auch der Menschen auf den Intensivstationen bleibt gleich“.

Der promovierte Berliner Gesundheitsökonom Dr. Thomas Liedtke ist seit über 30 Jahren im Gesundheitswesen tätig und selbst Vater zweier Söhne. Er hat einen Brief an Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey, den Vorsitzenden des Deutscher Lehrerverbandes Hans-Peter Meidinger, Berlins Gesundheitssenatorin Ulrike Grote, Berlins Jugend- und Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse sowie den Berliner SPD-Vorsitzenden Raed Saleh geschrieben. Liedtke appelliert an Giffey, die Maskenpflicht für Kinder und Jugendliche abzuschaffen. Der Brief liegt der Berliner Zeitung vor und wird hier im Wortlaut veröffentlicht.

„Sehr geehrte Frau Regierende Bürgermeisterin Giffey,

in dieser Woche soll im Berliner Senat besprochen werden, welche Maßnahmen als Schutz vor einer möglichen Corona-Infektion weiterhin gelten sollen. Mit Blick auf die Erfahrungen in unseren angrenzenden EU-Nachbarländer sowie in England und in der Schweiz und vor dem Hintergrund der jetzt in Deutschland vorherrschenden relativ harmlosen Omikron-Variante des Sars-CoV-2 Virus möchte ich dringend an Sie appellieren, die Praxis der  durchgeführten Antigen- bzw. Schnelltests endlich zu beenden und auch den Zwang des obligatorischen Tragens einer Mund-Nasen-Bedeckung abzuschaffen.

Es ist für die Kinder und Jugendlichen eine extreme psychische Belastung, täglich getestet zu werden und ständig in der Sorge zur Schule zu gehen, dass der bevorstehende Test positiv ausfallen könnte. Ich bin Vater zweier elfjähriger Jungen und ich weiß aus eigener Betroffenheit, wie negativ sich die vermeintlichen Schutzmaßnahmen auf die Kinder, die Klassengemeinschaft und das Miteinander auswirken. Die Stigmatisierung und die Ängste, die mit einem positiven Schnelltest verbunden sind, können für die Betroffenen erhebliche gesundheitliche Folgen haben, die in der Regel sehr viel schlimmer sind als eine für junge Menschen milde oder symptomlos verlaufende Infektion mit dem Sars-Cov-2 Virus.

Wenn Lehrerinnen und Lehrer erkennen, dass Schülerinnen und Schüler Erkältungssymptome zeigen, können sie diese erkrankten Kinder und Jugendlichen wieder nach Hause schicken und die Eltern bitten, ggf. mit einem Arztbesuch die Ursache der Erkältungssymptome abzuklären. Hierdurch wird medizinisch sachgerecht abgeklärt, ob eine mögliche Infektion mit dem Sars-Cov-2 Virus vorliegt oder nicht, wobei hierdurch auch die psychische Belastung der Betroffenen minimiert und deren Recht auf uneingeschränkten Datenschutz hinsichtlich medizinischer Daten sichergestellt wird.

Wenn sich Lehrerinnen und Lehrer oder Schülerinnen und Schüler aus Sorge vor einer möglichen Ansteckung mit dem Sars-Cov-2 schützen wollen, können sie auf freiwilliger Basis eine medizinische Mund-Nasen-Bedeckung tragen und Abstand zu Kindern und Jugendlichen halten, die Erkältungssymptome haben. Es ist eine medizinisch nicht zu begründende Übermaßregelung, alle Schülerinnen und Schüler mittels Antigen- oder Schnelltests mitunter täglich zu testen und alle Kinder und Jugendlichen zu zwingen, Mund-Nasen-Bedeckungen im Unterricht tragen zu müssen.

Ich möchte abschließend an Sie appellieren, jetzt alle zuvor von mir kritisierten Maßnahmen an den Schulen abzuschaffen und damit für alle Betroffenen wieder eine normalen Schulalltag zu ermöglichen. Schauen Sie bitte auf die positiven Erfahrungen in unseren EU-Nachbarländern, in denen der Schulbetrieb wieder ohne diese für die Betroffenen belastenden Maßnahmen läuft.

Meine Ausführungen und Bitten gelten selbstverständlich auch uneingeschränkt für alle Kitas. Hier ist es für die kleinen Kinder noch sehr viel wichtiger, endlich wieder zur Normalität, wie sie vor Corona war, zurückzukehren. Die seelischen und psychischen Folgen der aktuellen Situation sind gerade für diese kleinen Kinder besonders schlimm.

Freundliche Grüße

Dr. Liedtke