Berlin - Um 13.53 Uhr ist es eigentlich vorbei. Zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule stehen am Mittag geschätzt 200 bis 300 Demonstrierende auf der abgesperrten Straße des 17. Juni, darunter Reichsbürger, Rechtsextreme, Hooligans und Corona-Gegner. Ihnen stehen Hunderte Polizisten im Kampfmontur gegenüber. Aus Lautsprechern ertönt dann kurz vor 14 Uhr die Durchsage: „Auf Ihrer Versammlung wurden wiederholt Ordnungswidrigkeiten in Form von Nichtragen des Mund-Nasen- Schutzes und des nicht eingehaltenen Mindestabstandes von 1,50 Meter begangen.“ Die Teilnehmenden der Anti-Corona-Demo gefährdeten damit unmittelbar die öffentliche Sicherheit. „Aus diesem Grund löst die Polizei diese Versammlung jetzt auf.“

Höhnisches Klatschen und „Widerstand, Widerstand!“-Rufe folgen, doch die Menge löst sich Richtung Großer Stern auf, wird von der Polizei von der linken Gegendemo östlich des Brandenburger Tores fortgetrieben. Doch durch die Büsche des Tiergartens schleichen sich Männer und Frauen mit Antifa-Flaggen heran, es kommt zu vereinzelten Schlägereien im Park, wohl ohne schlimmere Verletzungen. „Das war gut so, genauso muss es laufen, kein Fußbreit den Faschisten“, ruft einer der dann Flüchtenden.

Unschöne Szenen, aber insgesamt blieb es ruhiger als erwartet am Sonnabend in Berlin. Elf Demonstrationen waren angemeldet worden, vor allem aus der rechten Szene, unter Namen wie „Frieden, Freiheit, Souveränität“. Es waren auch Gegendemonstrationen angemeldet, die sich Unter den Linden trafen. Die Polizei setzte 1800 Einsatzkräfte ein, sperrte den Bereich großräumig ab.

Foto: AFP/Tobias Schwarz
Linke Gegendemonstranten gestikulieren in Richtung der Rechten.

Rund 1800 Polizisten sicherten die Demos am Sonnabend

Von Verletzten konnten die Beamten danach noch nichts berichten, sie werden erst Ende des Tages gemeldet. „Es kam vereinzelt zu Festnahmen, Flaschenwürfen und Schubsereien zwischen den Lagern“, sagte eine Sprecherin. „Die Polizei ging direkt dazwischen, es blieb weitgehend friedlich.“ Die Teilnehmerzahl schätze sie insgesamt auf allen Demos auf 650, deutlich unter dem, was die Anmeldenden erwartet hätten. Man sei von mehreren Tausend Teilnehmern ausgegangen.

Zwei Auto-Korsos wurden im Laufe des Tages wegen des geringen Zulaufs abgesagt, ebenso eine Kundgebung am Alexanderplatz. Möglicherweise hatten sich einige Corona-Gegner eher zu der Querdenker-Demo in Kassel begeben, wo am Sonnabend Tausende Menschen demonstrierten.

In Berlin war die Demo auch schwer zu erreichen, fast alle Brücken und Straßen rund um den Reichstag waren abgesperrt. Offenbar wollte die Polizei Szenen verhindern wie im vergangenen August, als Zehntausende in Berlin demonstrierten und einige von ihnen sogar die Treppen des Reichstags erreichten.

Die Szenen nach Auflösung der Demo nannte die Polizeisprecherin „kleinere Reibereien“. Zuvor hatte ein Aufzug aus dem linken Spektrum, der die Hygieneregeln einhielt, eine Endkundgebung in der Ebertstraße gehalten. Einigen Teilnehmenden gelang es im Anschluss, sich der Demo der Gegenseite über den Tiergarten zu nähern. Doch zunächst war nichts von schweren Verletzungen bekannt. Noch nach Auflösung der Versammlung sammelten sich am Nachmittag einige Hundert Menschen am Reichstag. Sie wurden von der Polizei aufgefordert, sich in kleinen Gruppen zu entfernen.