Berlin - In Berlin können sich Menschen künftig schon fünf statt wie bisher sechs Monate nach ihrer zweiten Corona-Impfung erneut impfen lassen. Dazu sei eine Landesregelung für die sogenannte Booster-Impfung getroffen worden, hieß es am Mittwoch aus der Gesundheitsverwaltung. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci macht inzwischen Nägeln mit Köpfen. „In den durch den Senat betriebenen Impfzentren und Impfstellen werden wir ab Donnerstag Auffrischimpfungen nach fünf Monaten anbieten“, sagt sie. Die Nachfrage nach den Impfungen habe in den letzten Tagen stark zugenommen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) will auch am Donnerstag in der Runde mit den Länderchefs die Booster-Verkürzung besprechen, heißt es aus Senatskreisen. Zuletzt tauchten Berichte auf, dass in den letzten Tagen Impfwillige an den Berliner Impfzentren weggeschickt wurden – offenbar, weil sie die sechs Monate noch nicht erreicht hatten.

Das Land Berlin fordert zudem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) klare rechtliche Regeln, um allen Menschen ab 18 Jahren eine Auffrischungsimpfung gegen Corona zu ermöglichen. „Ein loses Schreiben ist KEINE einheitliche klare Regelung!“, twittert Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). „Bundesgesundheitsminister muss BUNDESEINHEITLICH in der Impfverordnung Boosterimpfung nach 5 Monaten verankern.“

In einem Schreiben an alle Vertragsärzte in Deutschland hatten sich Spahn und der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, am Dienstag zwar dafür ausgesprochen, allen Menschen ab 18 Jahren eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus zu ermöglichen – auch wenn die letzte Impfung noch nicht sechs Monate her ist. Der Abstand sei „als zeitliche Richtschnur zu verstehen, der natürlich nicht tagesgenau einzuhalten ist“.

Stiko hat ihre Empfehlung noch nicht angepasst

Allerdings geht da in der Praxis offensichtlich einiges durcheinander. Aus vielen Teilen Deutschlands gibt es Berichte, dass Impfzentren oder niedergelassene Ärzte Impfwillige abweisen, weil deren letzte Impfung noch nicht sechs Monate zurückliegt. Oft fehlen den Betroffenen nur wenige Tage oder ein, zwei Wochen zur Einhaltung der Frist.

Impfzentren oder Ärzte berufen sich dabei auf Vorgaben der Ständigen Impfkommission (Stiko): Diese empfiehlt eine Auffrischungsimpfung bislang frühestens nach sechs Monaten für Menschen ab 70 sowie solche mit Immunschwäche, Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegepersonal. Die Politik und etliche andere Fachleute dringen angesichts stark gestiegener Infektionszahlen indes auf Booster-Impfungen für alle ab 18.

Der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens stellte eine baldige Ausweitung der Empfehlung in Aussicht. Die Stiko werde am Mittwoch „über die nächste, sozusagen die fortgeschriebene Empfehlung beraten, und das wird nicht lange dauern, und dann wird die jetzt von Ihnen reklamierte Empfehlung auch kommen“, sagte er am Dienstagabend auf eine entsprechende Frage in der ZDF-Sendung Markus Lanz. Auf Nachfrage machte Mertens klar, dass die Empfehlung „bis 18“ gesenkt werden könnte (mit dpa).