Berlin - Niedrigschwelliger geht es kaum: In Berlin kann man sich bald in einer fahrenden S-Bahn impfen lassen, während draußen vor den Fenstern die Stadt vorbeizieht. Das erfuhr die Berliner Zeitung. Ende August wird auf dem Ring ein Zug unterwegs sein, in dem man sich bei der Fahrt gegen das Coronavirus immunisieren lassen kann. Wer nun befürchtet, dass es im Berufsverkehr zu Gedränge kommen könnte, kann beruhigt sein: Die Impf-S-Bahn auf dem Ring soll nur für Menschen zugänglich sein, die sich impfen lassen wollen. Der reguläre Verkehr bleibt den fahrplanmäßigen S-Bahnen vorbehalten, die weiterhin normal verkehren sollen.

„Ich kann bestätigen, dass wir etwas in Vorbereitung haben, aber mehr kann dazu noch nicht gesagt werden“, sagte eine Sprecherin des Berliner Tochterunternehmens der bundeseigenen Deutschen Bahn. Der Aspekt der Sicherheit fließe in die Planungen mit ein, hieß es. Welcher Baureihe die Impf-S-Bahn angehört, ist dem Vernehmen nach noch ungewiss. Unbestätigten Berichten zufolge soll ein Vier-Wagen-Zug, der am 25. August mittags auf der Ringlinie S42 verkehrt, als Impfzentrum genutzt werden. Zu dieser Zeit gibt es auf der Linie einen Zehn-Minuten-Takt, was Raum für zusätzliche Fahrten lässt.

Das Ziel der Aktion ist klar: Die S-Bahn Berlin GmbH möchte mit der Sonderfahrt dazu beitragen, dass die Impfquote weiter steigt.

Im Sauerland wurde bereits in einer Regionalbahn geimpft

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte am Dienstag nach einer Senatssitzung die Sonderimpfaktionen etwa in Einkaufszentren, in Kiezen, auf Parkplätzen oder im Rahmen langer Impfnächte angesprochen und dabei neue Angebote angekündigt. S-Bahn-Chef Peter Buchner habe bereits angedeutet, „im Rahmen eines S-Bahn-Zuges etwas anzubieten“, sagte Müller. Der SPD-Politiker sprach von einer kreativen und spektakulären Lösung.

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) sei ein solches Vorhaben hingegen nicht geplant. „Ich kann mir so etwas nicht in einem fahrenden Zug vorstellen“, sagte eine Sprecherin der BVG. Eine Notbremsung müsse in einer Gefahrensituation zu jeder Zeit möglich sein, weshalb eine Impfaktion während des Fahrens undenkbar sei.

Im Sauerland hat es eine Impfaktion, wie sie die S-Bahn nun plant, bereits gegeben. Im Biggesee-Express, einer Regionalbahn zwischen Olpe und Finnentrop, konnten sich Fahrgäste Ende Juli von einem Team des Deutschen Roten Kreuzes immunisieren lassen. Das Motto lautete: „Impfen am Biggesee für Kurzentschlossene aller Nationalitäten“. Der ärztliche Leiter des Impfzentrums des Landkreises Olpe, Stefan Spieren, hatte die Idee. „Im Kreis Olpe ist die Impfquote sehr hoch. Wir haben uns daher gefragt, wie können wir auch Menschen von außerhalb erreichen“, sagte er der Siegener Zeitung.

Knapp die Hälfte der Reisenden auf der Linie RB92 ließ sich impfen

In der ersten Klasse eines Dieseltriebwagens der Hessenbahn HLB wurde eine sterile Apotheke eingerichtet. Dort lagerten Ampullen des Impfstoffs von Johnson & Johnson, der nur einmal verabreicht werden muss. Während des sechsstündigen Einsatzes auf der Regionalbahnlinie RB92, die durch ein Urlaubs- und Freizeitgebiet führt, ließen sich rund 50 Prozent der Fahrgäste impfen. Niemand habe das Angebot abgelehnt, hieß es.