Berlin: DDR-Fußballikone Jürgen „Kuppe“ Nöldner ist tot

Als Spieler schrieb er mit einem Länderspieltor Geschichte. Nach seiner Karriere arbeitete er als Sportjournalist. Nun starb er im Alter von 81 Jahren in Berlin.

Jürgen „Kuppe“ Nöldner im Spiel der DDR-Nationalmannschaft gegen Rumänien. 
Jürgen „Kuppe“ Nöldner im Spiel der DDR-Nationalmannschaft gegen Rumänien. Imago

Er lief 30 Mal für die DDR auf, erzielte 1965 das schnellste Länderspieltor der Auswahl und prägte später den Sportjournalismus im Osten: Jürgen „Kuppe“ Nöldner. Der frühere DDR-Fußballnationalspieler ist am Montag in Berlin im Alter von 81 Jahren verstorben, wie der Kicker berichtete, dessen Berliner Büro er jahrzehntelang geleitet hatte. Die ostdeutsche Fußballwelt verneigt sich und trauert.

Der geniale Linksfuß wurde im Kriegsjahr 1941 in Berlin geboren und spielte in seiner Jugend für Sparta Lichtenberg, Bewag Berlin und ASK Vorwärts Berlin. In der DDR-Oberliga lief der Offensivspieler 285 Mal für den FC Vorwärts Frankfurt (Oder) auf und erzielte 88 Tore. Mit dem Armeeklub holte er fünf Meistertitel und einen FDGB-Pokalsieg. 1966 wurde er zum Fußballer des Jahres in der DDR gewählt. 

Was war eigentlich sein größtes Spiel? „Das kann ich nicht beantworten“, sagte Nöldner zu seinem 80. Geburtstag der Berliner Zeitung. „Es gab viele wichtige Duelle.“ Höhepunkt war auf jeden Fall das olympische Fußballturnier 1964 in Tokio, als er mit der DDR-Mannschaft die Bronzemedaille gewann. Insgesamt schoss er 16 Länderspieltore - unter anderem das schnellste jemals geschossene Länderspieltor der DDR-Auswahl. Das war am 31. Oktober 1964. Schon in der ersten Minute kam eine Flanke von rechts zu dem offensiven Mittelfeldmann. Der bezwang mit einem straffen Schuss Österreichs Keeper zum 1:0. 

„Als Fußballer begnadet, als Mensch bescheiden“

In seinem Nachruf schreibt die Fachzeitschrift Kicker, für die er bis 2006 arbeitete: „Jürgen Nöldner hat auch nach seinem Abschied vom Kicker, dessen Berliner Büro er ab 1990 mit aufbaute und das er von 1997 bis zu seinem Eintritt ins Rentenalter 2006 leitete, nie das Interesse und die Neugier verloren: am Fußball nicht, im Großen wie im Kleinen, und an den früheren Kollegen auch nicht. Um sich selbst machte er nicht viel Wind. Gegen Schulterklopfer war er immun, das Laute, das Reißerische, das Überhöhte war ihm fremd, auch als Journalist. Er war eine treue Seele und eine ehrliche Haut, als Fußballer begnadet, als Mensch bescheiden.“