Berlin - Bundesweit wird am Samstag gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen protestiert. Nach Angaben der Organisatoren, dem Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, fanden Aktionen in mehr als 40 Städten statt. Hintergrund ist das 150-jährige Bestehen des umstrittenen Paragrafen 218, der Abtreibungen grundsätzlich unter Strafe stellt. Wie das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung in der vergangenen Woche mitteilte, fordern die Aktivisten, dass Schwangerschaftsabbrüche aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden. 

Dazu bildeten Demonstranten ab 11 Uhr rund um das Berliner Reichstagsgebäude eine Menschenkette. Etwa 120 Organisationen unterstützen den Protest, der die Streichung des Paragrafen 218 im Strafgesetzbuch fordert. Der Paragraf wurde vor 150 Jahren zunächst im Reichsstrafgesetzbuch festgeschrieben. Er ist mit leichten Änderungen seit dem 15. Mai 1871 gültig. 

Paragraf 219 zuletzt heftig diskutiert

„Die Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen im Strafgesetzbuch entmündigt Betroffene und verweigert ihnen eine würdevolle und selbstbestimmte Entscheidung“, sagte Eva Kubitz, eine der Organisatorinnen der Kampagne „150 Jahre Widerstand gegen §218 – Es reicht“.

Zuletzt war vor allem der Paragraf 219a des Strafgesetzbuches öffentlich diskutiert worden. Vor einer Gesetzesreform 2019 verbot er Ärztinnen und Ärzten die Werbung für Schwangerschaftsabbrüche. Seit gut zwei Jahren dürfen Mediziner zwar nun öffentlich machen, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen – weitere Informationen etwa über Methoden sind aber nicht erlaubt.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der registrierten Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland um mehr als zehn Prozent gesunken. 2020 wurden laut Statistischem Bundesamt rund 100.000 Abtreibungen gemeldet. 2010 waren es 110 400 Abbrüche gewesen. Im Vergleich zu 2019 sank die Zahl 2020 um knapp ein Prozent.