Berlin/München - Nach Berichten über die Abschaffung des Wortes „Schwarzfahren“ aus dem Sprachgebrauch bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) gibt es nun erste Dementis. BVG-Pressesprecherin Petra Nelken sagte der Berliner Zeitung, dass nichts abgeschafft werden kann, was es nicht gab. In offiziellen Schreiben oder Dokumenten der BVG sei das Wort noch nie verwendet worden. Darin hieß es laut der Sprecherin schon immer „Fahren ohne gültigen Fahrschein“. 

Die Verwirrung sei entstanden, weil das Berliner Verkehrsunternehmen in Zukunft bei seiner Werbung darauf verzichten werde, derartiges Vokabular zu verwenden. „Wir mussten jetzt aber auch keinen Schriftzug abkratzen oder ändern, weil wir so etwas gar nicht mehr verwenden“, sagte die BVG-Sprecherin. Als Beispiel nannte Nelken ein Plakat der BVG aus dem Jahr 2017, auf dem geschrieben stand: „Wer schwarz fährt, muss Eier haben – oder 60 Euro“. So etwas wird es nicht mehr geben – und eigentlich gab es so etwas auch schon länger nicht, so Nelken.

Die Zeitungen BZ und Bild hatten berichtet, dass „Schwarzfahren“ aus der internen und externen Kommunikation der BVG verbannt werde. Das Unternehmen wolle mit der Entscheidung den Vorgaben des vom Berliner Senat beschlossenen Diversity-Programms nachkommen, das im September 2020 gestartet worden war, hieß es weiter. Michael Reis, Sprecher der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, dementierte eine solche Vorgabe am Freitag. Er sagte der Berliner Zeitung: „Das Ganze basiert nicht auf den Entscheidungen des Berliner Senats.“

Das Wort „Schwarzfahren“ hat keinen Bezug zur Hautfarbe 

Den BVG-Verantwortlichen sei bekannt, dass „Schwarzfahren“ keinen Bezug zu einer Hautfarbe habe. Umgangssprachlich werde es deshalb wohl auch weiter im Unternehmen verwendet, glaubt BVG-Sprecherin Nelken. Es wird allerdings nirgends mehr lesbar sein.

Die Münchener Verkehrsgesellschaft (MVG) hatte im Unterschied zur BVG zuletzt einige Plakate, auf denen das Wort „Schwarzfahren“ zu lesen war, systematisch ausgetauscht. Der weit verbreitete Slogan „Schwarzfahren kostet 60 Euro!“ prangte zuvor an vielen Bussen, U-Bahnen und Straßenbahnen. Die Aufschrift sei nun umgemodelt worden in: „Ehrlich fährt am längsten.“ Laut Bild-Zeitung handelt es sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme im Zusammenhang mit Diskriminierung. Zudem wolle man sich der „zeitgemäßeren Kommunikation“ anpassen.

Verwunderung über Abschaffung des Wortes „Schwarzfahren“ 

Der CSU-Abgeordnete Peter Ramsauer zeigte sich verwundert über die neue Sprachregelung im Münchner Nahverkehr. Er sagte der Bild: „Als ehemaliger Verkehrsminister kann ich nur noch den Kopf schütteln. Die haben doch alle einen Knall!“