Berlin - Der Smoothie-Produzent True Fruits hat anlässlich der Bundestagswahl eine Werbeaktion gestartet, die auf starke Ablehnung in den Sozialen Netzwerken gestoßen ist. True Fruits hatte Flaschen mit Auszügen aus Wahlprogrammen von sechs Parteien etikettiert. Neben CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke war auch die AfD vertreten. 

Edeka hat am Donnerstag auf die Aktion mit einem Facebook-Post reagiert. Dort heißt es neben einer abgebildeten AfD-Flasche: „Rechts ist kein Platz bei uns im Regal“. Zudem kündigt der Handelskonzern an, die Flaschen wieder zurückschicken zu wollen: „Danke für eure neue Lieferung, true fruit smoothies. Die AfD-Flaschen haben wir aber nicht bestellt, die gehen wieder zurück! “

Dieser Konter kommt nicht bei allen Facebook-Nutzern gut an: So beschwert sich ein Nutzer über ein „hochdefizitäres Verständnis von Demokratie“ seitens Edeka. Auch von „Cancel Culture“ ist in Kommentaren die Rede. Unterstützer der Reaktion von Edeka verweisen auf das Hausrecht von Geschäften. 

Ist Edeka populistisch?

True Fruits wiederum reagierte auf den Post von Edeka wie folgt: „Liebe Edeka, ja, wir finden die AFD auch scheiße. Aber Aufklärung ist wichtiger als peinliches Social Signaling, wie ihr es hier versucht... “. Man habe mit einem Parteiprogramm-Rätsel „bewusst alle sechs großen Parteien des Deutschen Bundestags dargestellt, um jedem die Chance zu bieten, zu erkennen, wofür die Parteien stehen.“ Zudem wirft True Fruits Edeka Populismus vor. Diese Kritik untermauert True Fruits mit einem Bild, auf dem alle mit den Wahlprogrammen etikettierten Flaschen und die Überschrift „Für politische Aufklärung ist bei uns kein Platz im Regal“ zu sehen sind. 

Eine Nutzerin postet in den Kommentaren aber ein Foto von allen Flaschen – inklusive der mit dem AfD-Aufdruck, die sie bei Edeka erworben haben will. Offenbar hatten sich Marketing und Vertrieb für die Aktion gegen True Fruits bis dato nicht abgestimmt.

Abgefüllt und mitgenommen, Quotenschwarzer, Oralverzehr

Der Smoothie-Hersteller stand in der Vergangenheit schon mehrfach wegen sexistischer und rassistischer Werbung in der Kritik. So vertrieb die Firma 2019 Flaschen mit den Aufdrucken „Quotenschwarzer“, „Noch mehr Flaschen aus dem Ausland“ und „Abgefüllt und mitgenommen“. Die Wortkreationen „Oralverzehr“ und „Samengenuss“ erhitzten bereits 2016 die Gemüter. In der bayerischen Hauptstadt München wurden die Plakate mit den entsprechenden Aufschriften sogar verboten. 

„True Fruits“-Mitgründer Nicolas Lecloux hatte damals gesagt: „Wir haben darüber nachgedacht, ob diese Art der True-Fruits-Kommunikation öffentlichkeitstauglich ist, kurz überlegt und festgestellt, dass es uns egal ist.“ Er verstehe die Aufregung nicht, er und seine Kollegen fänden „die Sprüche lustig“.

AfD bedankt sich bei Edeka für „Gratis-PR“

Die Berliner AfD hat sich in einer Mitteilung zu der Kampagne geäußert. Man gratuliere Edeka, zur „mutigen“ Kampagne und bedanke sich für die„ Gratis-PR im Wahlkampf“. Der Landesverband lobe nun einen Foto-Wettbewerb aus. Jedes Foto mit einer AfD-True-Fruits Flasche in oder vor einem Edeka-Markt, das vor dem 21. August beim Landesverband eingehe, werde mit 5 Euro belohnt.