Fast tausend neue Flüchtlinge aus der Ukraine sind in der Nacht zu Samstag in Notunterkünften des Landes Berlin untergebracht worden. In zwei Hallen auf dem Messegelände seien 945 Betten belegt gewesen, sagte ein Sprecher der Senatssozialverwaltung. Am Samstag sollen auch noch eine dritte und vierte Halle in Betrieb gehen. Sie sind gedacht für Flüchtlinge, die erst spät am Abend oder in der Nacht ankommen.

Außerdem hätten 2600 Menschen im Hauptbahnhof in Zügen der Bahn, BVG-Bussen und in zwei großen Zelten übernachtet, sagte der Sprecher. Diese Menschen seien freiwillig am Bahnhof geblieben, weil sie am Samstag weiterreisen wollten. Die Verpflegung der Flüchtlinge am Hauptbahnhof wird künftig vom Bund und Berlin übernommen und bezahlt. Zusammen mit der Messe sollen zunächst 10.000 Essensportionen pro Tag bereitgestellt werden: Suppe, Sandwiches, Obst, Süßigkeiten, Tee und Wasser.

Wie viele Flüchtlinge insgesamt am Freitag und Samstag ankamen, ist nicht bekannt, weil die Menschen sich nur zum Teil registrieren lassen und oftmals selbstständig weiterfahren oder Verwandte oder Freunde aufsuchen. Weiterhin sei mit steigenden Zahlen zu rechnen, sagte der Sprecher. „Es wird von Tag zu Tag schwieriger, weil die Kapazitäten fehlen.“

Auf dem Gelände des früheren Flughafens Tegel werden weitere 500 Notübernachtungsplätze fertiggestellt. Das neue Ankunftszentrum soll dort so schnell wie möglich öffnen, das wird aber nicht mehr am Wochenende, sondern in der kommenden Woche geschehen. Der Senat wartet noch auf Unterstützung der Bundesregierung für die geplante Registrierung und die Organisation der Weiterreise per Bus.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sprach kürzlich von einem Verteilzentrum für über 10.000 Menschen am Tag und einem Unterbringungsort mit bis zu 3000 Plätzen. Es werde auch überlegt, ein stillgelegtes Terminal am Flughafen BER als Notfallunterbringung zu nutzen, sagte sie. Auch der ehemalige Flughafen Tempelhof werde in Betracht gezogen.

Zu sehen waren am Hauptbahnhof am Samstag besonders Frauen mit Kindern und Jugendlichen, die aus Zügen stiegen, zu dem großen Ankunftszelt gingen oder weiter in andere Städte fuhren. Kinder trugen Stofftiere bei sich, manche Familien hatten echte Haustiere wie Hunde oder Katzen mit auf die Flucht aus ihrer bombardierten Heimat mitgenommen. Ehemänner und Väter mussten oft in der Ukraine bleiben, um gegen russische Angreifer zu kämpfen.

Eine Mutter verbrachte die Nacht mit ihren Töchtern Alina (14) und Amira (7) im Bahnhof. „Dort war es wenigstens warm“, sagte sie. Vor sechs Tagen hätten sie ihre Heimatstadt Saporischschja verlassen und seien „seitdem auf der Reise“, erzählte sie unter Tränen. Irina spricht nur wenig Englisch und folgte zunächst dem Rat von Freunden, die ihr gesagt hätten, dass Deutschland oder Frankreich gute Ziele seien. Doch nun sind ihr die Probleme mit der fremden Sprache zu groß, wie sie angibt. Sie holte sich Fahrkarten, um zurück nach Polen zu fahren. Aber die Zeit dränge: „In spätestens zwei Wochen muss ich wissen, wo wir bleiben wollen“, weil die ältere Tochter ihren Schulabschluss machen solle.