Die Wissmannstraße in Berlin-Grunewald ist am Sonntag offiziell umbenannt worden. Wie die Berliner Morgenpost berichtete, wurde sie mit einem Festakt im Walther-Rathenau-Gymnasium in Baraschstraße umbenannt.

Der neue Name soll an die jüdische Familie Barasch erinnern, die einst in der in der Wissmannstraße 11 lebte. Der Familienvater wurde 1942 in Auschwitz ermordet. Seine Frau Irene und die beiden Kinder waren ins Ausland geflohen. Die Nachkommen der Familie reisten aus den Vereinigten Staaten an, um bei der symbolischen Enthüllung des Straßenschilds dabei zu sein.

Jury wählte aus 47 Namen

Grund für die Namensänderung der Wissmannstraße ist die Vergangenheit des Namensgebers. Hermann von Wissmann (1853-1905) „hatte als Befehlshaber von Kolonialtruppen 1889/1890 den Widerstand der Küstenbevölkerung in Ostafrika niedergeschlagen“, schrieb das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf in einer Mitteilung.

Unter 47 Persönlichkeiten wählte eine Jury aus Anwohnern der Wissmannstraße, des zivilgesellschaftlichen Bündnisses Decolonize Berlin e.V. sowie der BVV-Fraktionen, einen Vorschlag aus. Im Mai 2021 folgte die Bezirksverordnetenversammlung der Empfehlung, mit dem Straßennamen künftig die jüdischen Eheleute Irene und Arthur Barasch zu ehren, heißt es. Die Initiative „Öffentlicher Bürgergarten der Erinnerung“ hat seit 2014 das lokale Gedenken an die Verfolgung der Familie gestaltet.

Alan Ross, ein Enkel des Ehepaars Barasch begrüßte die Umbennenung, so der Bericht. „Dass jetzt die Straße nach meinem Großvater Arthur und meiner Großmutter Irene Barasch benannt wird, um sie zu ehren, macht mich sehr glücklich. Es ändert nichts an der Vergangenheit, aber es ändert vielleicht die Zukunft.“

Auch die Wissmannstraße in Neukölln gibt es inzwischen nicht mehr. Dort wurde die Straße bereits im April vergangenen Jahres nach der tansanischen Politikerin Lucy Lameck benannt.