Berlin - In Berlin haben erneut mehr Eltern den Schulstart ihrer Kinder um ein Jahr verschoben. Im laufenden Schuljahr 2021/2022 wurden laut Bildungsverwaltung 4622 Kinder nicht eingeschult, obwohl sie das entsprechende Alter erreicht haben. Das waren 358 Jungen und Mädchen mehr als im Schuljahr 2020/2021. Gründe für die Anträge auf Rückstellung werden laut einem Sprecher nicht erhoben. Die Pandemie und dadurch entstandene Entwicklungsverzögerungen könnten eine Ursache sein, wie er sagte.

Zurückstellungen führen laut Verwaltung dazu, dass Kinder weiterhin ihre Kitaplätze behalten. Diese stehen wiederum anderen Jungen und Mädchen nicht zur Verfügung. Die Zahlen deuteten aber auch nicht darauf hin, dass mehr Kinder als sonst keinen Kitaplatz erhalten haben. „Trotz Corona-Pandemie hat sich die Anzahl der vertraglich gebundenen Kitaplätze im Vergleich zum Vorjahr um 1666 Plätze auf 153.423 erhöht“, hieß es.

Auch Kita-Fachreferentin Dorothee Thielen vom Paritätischen Wohlfahrtsverband berichtet, dass die Lage bei den Kitaplätzen im Moment relativ entspannt sei. „Mitunter dauert es einige Monate, bis Eltern einen passenden Kitaplatz bekommen. Wir hören momentan aber keine Berichte von verzweifelten Eltern, die gar keine Chance auf einen Platz haben“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Wegen Corona: Anzahl der Kinder, die zurückgestellt werden, nimmt zu

2020/2021 lag der Anteil der Rücksteller bei 12,1 Prozent. Wie hoch der aktuelle Anteil ist, ist laut Verwaltung noch nicht bekannt. In den Jahren vor der Pandemie war der Anteil der Rücksteller etwas niedriger: 2019/20 lag er bei 11,7 Prozent, im Schuljahr 2018/19 bei 11,8 Prozent und im Jahr zuvor bei 11,4 Prozent.

Im Frühjahr hatten Kitabetreiber und Elternvertreter auf das Problem aufmerksam gemacht, dass in der Pandemie vermutlich mehr Eltern als sonst ihre Kinder vom Schulbesuch zurückstellen. Zum einen fehlten Kinder durch die Lockdowns mitunter länger in der Kita und hatten dadurch zum Teil Entwicklungsrückstände. Zum anderen bezweifelten Eltern, dass ein Schulstart in der Pandemie reibungslos abläuft.

Ein weiterer Punkt, der bei vielen Eltern für Unsicherheit sorgt: Aufgrund der teils chaotischen Zustände in den Berliner Ämtern gab es im vergangenen Jahr oftmals keine Einschulungsuntersuchungen. Die Eltern mussten alleine entscheiden, ob der Nachwuchs schulreif ist oder nicht. Eltern können die Zurückstellung von der Schulbesuchspflicht für ein Jahr beantragen, wenn eine bessere Förderung in einer Kindertagesstätte zu erwarten ist.