Berlin - Das frühere DDR-Polizeigefängnis Keibelstraße am Alexanderplatz soll nach dem Willen des Berliner Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Tom Sello, zum öffentlichen Erinnerungsort werden. Land und Bund sollten dafür in der neuen Legislatur das nötige Geld bereitstellen, forderte der Aufarbeitungsbeauftragte am Dienstag in Berlin. Die SED-Opferbeauftragte des Bundes, Evelyn Zupke, unterstützte das Vorhaben. „Aus meiner Sicht ist die Keibelstraße ein Ort von nationaler Bedeutung“, sagte sie. 

Die DDR-Volkspolizei hatte das Untersuchungsgefängnis im Berliner Präsidium in einer Seitenstraße am Alexanderplatz vor genau 70 Jahren, im Herbst 1951, in Betrieb genommen. Gefangen gehalten wurden dort Kriminelle, aber auch politisch missliebige Bürger, wie Sello sagte. Der Erinnerungsort solle verdeutlichen, dass nicht nur die DDR-Staatssicherheit, sondern auch die Volkspolizei eine wichtige Stütze des SED-Diktatur gewesen sei, sagte Sello. 

DDR-Knast mit 177 Zellen war bisher ein Lernort für Schüler

Der Zelltrakt auf sieben Etagen mit 177 Zellen ist in ein Gebäude an der heutigen Bernhard-Weiß-Straße integriert, das inzwischen von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung genutzt wird. Als „Lernort“ ist er zwar für Schulklassen und andere Gruppen zugänglich, nicht aber für Einzelbesucher ohne Voranmeldung. Nach einer Machbarkeitsstudie ließen sich ein öffentlicher Zugang und eine Dauerausstellung einrichten, sagte Sello.

Nach seinen Worten wäre dies „recht billig zu haben“ für etwa 16,5 Millionen Euro. Die Kosten würden voraussichtlich zwischen Land und Bund geteilt. Zupke sagte: „Auf Bundesebene werde ich alles dafür tun, um diese Unterstützung zu bewirken.“