Berlin - Die Polizei hat 11.676 weibliche Opfer von partnerschaftlicher und innerfamiliärer Gewalt in Berlin erfasst. Das teilte die Gesundheitsverwaltung am Dienstag mit. Frauen würden demnach  physische und psychische, aber auch „wirtschaftliche und soziale“ Gewalt innerhalb und außerhalb von Partnerschaften erfahren. Sie erlebten zudem sexualisierte Gewalt, Cyberstalking, Gewalt im Namen der Ehre oder Genitalverstümmelung. Bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff in besonders schwerem Fall sowie bei sexueller Belästigung waren knapp 90 Prozent der Betroffenen weiblich.

Die Zahlen sind trotz der Corona-Pandemie etwa gleichbleibend: In Berlin gab es 2019, also vor der Pandemie,  gut 15.000 Fälle häuslicher Gewalt. Fast 80 Prozent der Geschädigten waren Frauen. Das entspricht 12.000 Fällen, in denen die Leittragenden Frauen waren.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sagt: „Trotz der pandemiebedingten Herausforderungen haben wir in den letzten Jahren viel erreicht: In der gerade abgeschlossenen 18. Legislaturperiode wurden mehr als 180 reguläre Schutzplätze in den Frauenhäusern, Schutzwohnungen und Zweite-Stufe-Wohnungen aufgebaut und in Betrieb genommen, seit Sommer dieses Jahres auch ein erstes barrierefreies Frauenhaus. Doch damit dürfen wir uns nicht zufriedengeben: Die bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Hilfestrukturen, aber auch die Entwicklung eines Bewusstseins für besonders diskriminierende Formen von Gewalt sollten im Fokus von Politik und Gesellschaft stehen.“

Häusliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen in allen Schichten

Gewalt gegen Frauen und Mädchen wird nach Senatsangaben überall und in allen sozialen Schichten ausgeübt. Dem gelte es entschieden entgegenzutreten, so Dilek Kalayci. Die Bekämpfung der Gewalt erfordere ein kohärentes, interdisziplinäres und koordiniertes Vorgehen.  

Das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, die sogenannte Istanbul Konvention, gibt Deutschland dafür die rechtlichen Grundlagen und bildet gleichzeitig einen umfassenden rechtlichen Rahmen, sich entschieden gegen jegliche Form von Gewalt gegen Frauen und Mädchen einzusetzen. Gewalt gegen Frauen und Mädchen sei eine Menschenrechtsverletzung und eine geschlechtsspezifische Diskriminierung, so der Berliner Senat.