Berlin - In über 500 Fällen sind in Berlin im Jahr 2020 Menschen durch Hundebisse verletzt worden. 67 der Opfer trugen dabei schwere Verletzungen davon. Das geht aus der Hundebiss-Statistik hervor, die die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz auf ihrer Internetseite veröffentlichte. Dazu kamen 116 registrierte Vorfälle, in denen Menschen aggressiv von Hunden angesprungen oder angegriffen wurden – die Behörden nennen es „gefahrdrohend angesprungen“. Dann wurden noch 430 Fälle aufgelistet, „in denen ausschließlich Hunde verletzt wurden“.

Die Zahlen liegen etwa auf dem Niveau der Vorjahre. 2019 landeten 71 Fälle von schweren und 500 Fälle leichter Verletzungen in der Statistik. 2018 gab es nur eine Gesamtzahl von 625 Bissen und aggressivem Anspringen oder Angreifen. 2017 lag die Zahl solcher Vorfälle mit 584 etwas niedriger. Die Statistik beruht auf Meldungen der Ordnungsämter, inklusive Meldungen der Polizei. Zusätzlich gibt es sicher eine Dunkelziffer.

Angriffe durch „Kampfhunde“ statistisch unauffällig

Die meisten Bisse und Angriffe, 209, gingen auf das Konto von Mischlingshunden. Dann folgten 56 Fälle mit Deutschen Schäferhunden, 51 Fälle mit unbekannten Rassen und 29 Vorfälle mit Golden Retrievern und Labrador Retrievern. Als sogenannte gefährliche Hunde eingestufte Rassen wie Pit Bull Terrier, Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, auch Kampfhunde genannt, und Kreuzungen dieser Rassen fielen mit 36 Bissen und Angriffen statistisch nicht besonders auf.

Diese Zahlen sagen nichts über eine grundsätzliche Gefährlichkeit einer Rasse aus, weil manche Hunderassen in Berlin sehr verbreitet sind und andere wiederum sehr selten. Für die schweren Bissverletzungen sind allerdings meist große Hunderassen verantwortlich, etwa Collie, Boxer, Dogge, Dobermann, Bulldogge, Schäferhund, Mastino, Rottweiler, Sennenhund. Genannt werden allerdings zweimal auch Dackel.

Tierschützer und Hundetrainer betonen immer wieder, dass die Schuld an Angriffen nicht beim Hund liegt, sondern beim Besitzer, der für Erziehung des Hundes, Aufsicht und das Einschätzen von kritischen Situationen verantwortlich ist.

Hunde müssen in Berlin an der Leine laufen

Laut der seit 2019 geltenden Verordnung müssen Hunde in Berlin an die Leine. Es gibt aber Ausnahmen: Wer einen bestandenen Test, den sogenannten „Hundeführerschein“, hat, darf ihn in ruhigen Gegenden und auf Brachflächen weiter laufen lassen. Besitzer der sogenannten gefährlichen Hunde mussten schon zuvor Führungszeugnis, Haftpflichtversicherung, Sachkundenachweis und einen Wesenstest für ihren Hund nachweisen. Hier galt schon länger eine besondere Leinen- und Maulkorbpflicht.

Für Kontrollen sind die Ordnungsämter der Bezirke zuständig. Wohl wegen befürchteter Auseinandersetzungen mit den Hundebesitzern übersehen die Leute vom Ordnungsamt freilaufende Hunde allerdings sehr häufig, wie man beobachten kann.

Die Zahl der angemeldeten Hunde in Berlin legte laut Statistischem Jahrbuch bis Ende 2019 etwas zu: auf 111.024 Hunde, etwa drei Hunde auf 100 Einwohner. 2016 waren es 104.750 Hunde. Frühere Schätzungen gingen allerdings davon aus, dass es beträchtlich mehr Hunde in der Stadt gibt, die aber nicht gemeldet sind. Die meisten Hunde waren mit vier pro 100 Einwohner in den Außenbezirken Reinickendorf, Marzahn-Hellersdorf und Spandau angemeldet. In Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg waren es nur knapp zwei Hunde pro 100 Einwohner.