Berlin - Im Corona-Jahr 2020 hat es bei den Berliner Strafverfolgungsbehörden deutlich mehr Verfahren wegen häuslicher Gewalt gegeben. Die Zahl stieg allein bei der Amtsanwaltschaft im Vergleich zum Vorjahr um 1035, wie Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Mittwoch sagte. Das entspreche einer Zunahme von 7,5 Prozent. Die Amtsanwaltschaft ist eine eigene Strafverfolgungsbehörde und zuständig für mittlere- und Kleinkriminalität.

An den Familiengerichten sei dagegen eine leichte Abnahme bei den Gewaltschutzsachen verzeichnet worden. 2019 gab es noch 2745 Verfahren, 2020 waren es 2423 Verfahren. Wichtig sei das Signal an alle Opfer: „Wir haben einen Blick drauf“, sagte Behrendt. Die Hilfeinfrastruktur sei weiterhin offen und vorhanden.

Über 1600 Betroffene suchten Hilfe bei der Gewaltschutzambulanz 

An die Berliner Gewaltschutzambulanz haben sich im Corona-Jahr genau 1661 Betroffene gewandt. Das seien rund 8 Prozent mehr als im Jahr zuvor, sagte Vizechefin Saskia Etzold. Die beiden Lockdowns hätten einen großen Einfluss auf die Arbeit der Ambulanz gehabt. Es habe jedes Mal eine wellenartige Bewegung gegeben.

Die Fallzahlen gingen im März 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent zurück, weil weniger Menschen Hilfe suchten. Nach der Öffnung gab es einen „massiven Anstieg“ der Fälle. Mit den Lockerungen kamen wieder mehr Betroffene in die Gewaltschutzambulanz. Im Juni wurden über 30 Prozent mehr gezählt. Im November nahmen die Zahlen mit Beginn des Teil-Lockdowns wieder um 38 Prozent ab, wie Etzold sagte. Der November sei normalerweise ein recht fallstarker Monat.