Athen - Im Schnitt landen jeden Tag mehr als 48 Tonnen Plastikmüll im Mittelmeer. 48.000 Kilo Plastik: Verpackungen, Tüten, Styropor und Alltagsgegenstände. In einer aktuellen Studie rechnet der Wissenschaftler Kostas Tsiaras vom Griechischen Zentrum für Meeresforschung (Hellenic Centre for Marine Research, HCMR) in Griechenland vor, wie sich der Müll-Eintrag ins Mittelmeer entwickelt und nannte es eine „schockierende Menge“.   

Pro Jahr landen demnach rund 17.600 Tonnen Plastikmüll im Wasser. Etwa 80 Prozent davon wird an die Strände geschwemmt und verschmutzt diese meist dauerhaft. Zugleich sinken viele Abfälle, beispielsweise Plastikflaschen, auf den Meeresboden – 2800 Tonnen. Mehr als 3750 Tonnen treiben jedoch dauerhaft im Mittelmeer. 2019 gab es Berichte, wonach vor Korsika eine riesige Insel aus Plastikabfällen im Meer treibt.

Das Problem: Meeresbewohner fressen Plastik, das sie aber nicht verdauen können. Stattdessen verstopft es den Verdauungstrakt, sie sterben. Ebenso kann es sein, dass Säugetiere beim Auftauchen oder beim Schwimmen größere Plastikstücke, Tüten beispielsweise, vors Gesicht bekommen und dann nicht mehr Luftholen können.

Besonders viel von dem Makroplastik genannten Müll, den man mit bloßem Auge sieht, fanden Kostas Tsiaras und sein Team in der Nähe von Flussmündungen in Algerien, Albanien sowie der Türkei, aber auch an den – vielfach touristisch geprägten Küsten Italiens, Spaniens und Frankreichs. Zerkleinerten Kunststoffmüll entdeckten die Forscher in Teilen der Türkei und Griechenlands.

Aber nicht nur der sichtbare Müll, also Makroplastik, ist ein Problem. Vor allem das Mikroplastik belastet Wasser und Lebewesen, wird über die Nahrungskette wieder zu uns zurück getragen. Diese feinsten Partikel, nicht größer als fünf Millimeter, sind beispielsweise in Peelings enthalten und können aufgrund ihrer Größe in Kläranlagen nicht gefiltert werden. Die griechischen Wissenschaftler fanden Mikroplastik hauptsächlich im Einflussbereich von großen Städten mit Kläranlagen. 

Das Mittelmeer gilt dem HCMR-Team um Kostas Tsiaras zufolge als Hotspot für Verschmutzung durch Plastik, weil viele Küstenabschnitte dicht besiedelt sind. Hinzu kommen Faktoren wie Tourismus, Fischerei, Schifffahrt und nicht zuletzt die Geografie – der Wasseraustausch des Binnenmeeres mit dem Atlantik ist vergleichsweise gering.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten den Weg des Kunststoffs verfolgt: Vom Land über die Flüsse bis ins Mittelmeer. Mittels einer speziellen Simulation konnten sie dann die weitere Entwicklung berechnen und den Zeitraum zwischen 2010 und 2017 modellieren. Ihr neues Rechenmodell könne helfen, den Nutzen von Maßnahmen zur Eindämmung der Verschmutzung zu prüfen und Gegenmaßnahmen gezielter zu erarbeiten und einzusetzen, so Tsiaras.