Mit einem lautstark unterstützten Protest gegen die russische Führung hat die regierungskritische russische Punkband Pussy Riot am Donnerstagabend im Funkhaus in der Nalepastraße in Berlin ihre Europatournee begonnen. Mit dabei war auch die Aktivistin Maria Aljochina. Die 33-Jährige war kurz zuvor aus Russland geflohen. Sie hatte sich der Polizeiüberwachung in Russland entzogen und war heimlich ausgereist.

Dafür verkleidete sie sich nach eigenen Angaben als Mitarbeiterin eines Essenslieferdienstes und konnte die Grenze zu Belarus passieren. Später sei es ihr dann nach mehreren Versuchen gelungen, ins EU-Land Litauen einzureisen, sagte sie in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der US-Zeitung New York Times.

Basierend auf dem Buch „Riot Days“ von Aljochina präsentierte die „Pussy Riot Anti-War Tour“ ein Perfomance-Projekt aus Musik, Theater und Videoeinspielungen. Die Einnahmen des Konzertes sollten an minderjährigen Flüchtlinge des Krieges und ein Krankenhaus in der Ukraine gehen.

Protest-Konzert in Moskauer Kirche führte zu Ruhm und Straflager

Pussy Riot ist vor zehn Jahren durch ein Konzert in einer Moskauer Kirche gegen Machthaber Wladimir Putin schlagartig weltweit bekannt geworden. Aljochina wurde deswegen 2012 mit ihrer Bandkollegin Nadeschda Tolokonnikowa zu zwei Jahren Straflager verurteilt. Ende 2013 wurden sie begnadigt und kamen frei.

Aljochina geriet aber immer wieder ins Visier der russischen Strafverfolgungsbehörden, etwa im Zusammenhang mit Demonstrationen für den eingesperrten Kremlgegner Alexej Nawalny. Zuletzt stand sie unter Hausarrest.

Für die Tour sind 19 Auftritte angekündigt, die Band tritt dabei auf unter anderem in Rostock, Kassel, München, Stuttgart, Hamburg, Amsterdam, Zagreb, Barcelona, Madrid und Lissabon.