Berlin - Ab dem 4. und dem 11. Juni treten in Berlin umfangreiche Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Kraft. Der Berliner Senat hat am Dienstag beschlossen, dass ab diesem Freitag Außenbereiche von gastronomischen Einrichtungen wieder ohne Corona-Test besucht werden dürfen.

Wie Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte, darf die Gastronomie auch ihre Innenräume für Gäste öffnen. Dort muss allerdings weiterhin eine Bescheinigung über einen negativen Corona-Test vorgezeigt werden. Alkohol darf nun bis 24 Uhr ausgeschenkt und verkauft werden. Bisher musste um 23 Uhr Schluss sein.

Geöffnet werden auch wieder die Fitness- und Tanzstudios. Voraussetzung sind Terminbuchung und ein negativer Test. Auch im Einzelhandel entfällt ab Freitag die Testpflicht. Allerdings müssen Kunden wie in der Gastronomie auch dort ihre Adresse hinterlassen, damit Infektionswege nachverfolgt werden können. „Das sind große Schritte, die wir bei den Öffnungen gehen“, sagte Pop, die weiterhin um Vorsicht bat, „damit wir die Freiheiten, die wir zurück gewinnen, nicht wieder aufs Spiel setzen“.

Ab dem übernächsten Freitag sind dann auch touristische Übernachtungen wieder möglich – bei Einhaltung der Test- und Hygieneregeln. Einschränkungen bei der Belegung in den Hotels soll es nicht geben. Eine ursprünglich angedachte Quote von 50 Prozent wurde inzwischen verworfen. Am übernächsten Freitag startet dann auch Brandenburg wieder mit den touristischen Übernachtungen. Berlin und Brandenburg sprechen sich in Teilen bei den Corona-Maßnahmen ab.

Ab Freitag: Partys in Berlin wieder möglich

Auch Kinos, Theater und Konzertsäle öffnen wieder. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sieht deshalb dem Sommer „mit Freude entgegen“. Ab diesem Freitag darf es Veranstaltungen in Innenräumen mit bis zu 100 Personen geben, unter Einhaltung der entsprechenden Hygienemaßnahmen wie Abstand und Maske. „Bei maschineller Belüftung kann auch auf 500 Personen in Innenräumen hochgegangen werden. Ab Freitag sind dann im Freien auch Kulturveranstaltungen mit 500 Menschen möglich, etwa in Freilichtkinos oder an Konzertorten. In vier Häusern könne etwas über die Besucherzahl hinausgegangen werden. Das sind laut Lederer die Staatsoper, die Deutsche Oper, das Konzerthaus und die Philharmonie. Die Testpflicht für den Besuch von Veranstaltungen bleibe aber.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) kündigte außerdem an, dass ab Freitag die Hochschulen in großen und belüfteten Räumen mit Präsenzveranstaltungen in kleinen Gruppen starten. „Dies ist natürlich kombiniert mit Abstands- und Hygieneregeln und Tests vor Ort.“ Die Studenten hätten in den letzten anderthalb Jahren so gut wie gar keine Angebote bekommen. Die Hochschulen dürfen nun ihre Labors, ihre Bibliotheken und auch die Mensen öffnen.

Müller: „Das Gerichtsurteil zu den Schulen war nicht absehbar“

Am Montag hatte das Berliner Verwaltungsgericht entschieden, dass die Schulen noch vor den Sommerferien wieder vollständigen Regelunterricht anbieten müssen. „Diese Gerichtsentscheidung war nicht abzusehen“, sagte Müller. „Wir haben gesehen, dass es von Land zu Land die unterschiedlichsten Gerichtsentscheidungen zu den unterschiedlichen Maßnahmen gab.“ Man werde jetzt beobachten, wie sich die Inzidenzen an den Schulen entwickeln. Würden sie steigen, müsse man gegebenenfalls darauf mit mehr Tests reagieren, auch in Hinblick auf eine Forderung der Lehrergewerkschaft, GEW, die mehr Tests an den Schulen fordert.

„Aufgrund der sinkenden Zahlen wollen wir so viel wie möglich zurückgeben an Begegnungsmöglichkeiten“, sagte Müller, der zugleich warnte: „Wir haben große Fortschritte auch durch das Impfen gemacht. Aber die Inzidenzen machen deutlich: Wir haben die Pandemie noch nicht besiegt.“